Home > Allgemein > Bundespräsident verlegt Stolperstein für Opfer der Nazi Terrorjustiz, bedankt sich bei Gunter Demnig und der Stolpersteine-Familie!

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O-Ton:

“Ich danke all denjenigen, die die Stolpersteininitiative gegründet, gefördert, bis in unsere heutigen Tage getragen haben, weil sie eben auch jüngere Leute, jüngere Generationen über unsere eigene Geschichte stolpern lässt; nachdenken lässt darüber, was an Unrecht geschehen ist und mithelfen lässt, dass solches nie wieder geschieht.”

Mitteilung des BPAs:

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 28. August gemeinsam mit dem Schauspieler Mario Adorf an der Verlegung eines Stolpersteins für das NS-Opfer Bruno Lüdke im Berliner Stadtteil Treptow-Köpenick teilgenommen.

Der Bundespräsident erinnerte damit an den 1944 im Gewahrsam von NS-Behörden in Wien verstorbenen geistig eingeschränkten Bruno Lüdke, der zu Unrecht des Mordes an über 50 Frauen und Männern beschuldigt wurde. Zugleich soll der Stolperstein für Lüdke auch an all jene Menschen mit Behinderung erinnern, die zu Hunderttausenden unter der Naziherrschaft für Menschenversuche missbraucht, gequält, wie Bruno Lüdke zwangssterilisiert, deportiert und ermordet wurden.

Bei der Verlegung des Stolpersteins durch den Künstler Gunter Demnig vor dem letzten selbstgewählten Wohnort Lüdkes sagte der Bundespräsident:

“Ein Stolperstein für Bruno Lüdke. Für einen, der von der Massenpropaganda des Dritten Reiches zum monströsen Massenmörder gemacht worden ist und als geistig Behinderter doch ein Opfer der Nazis war. Hier hinter mir im Haus, hat er gewohnt. Seine Eltern betrieben dort eine Wäscherei. Kein Täter – ein Opfer.

Es hat Jahre gedauert bis die Wahrheit ans Licht kam, bis aufgeklärt war, was wirklich geschehen ist. Das verdanken wir engagierten Journalisten und Wissenschaftlern.

Dass Bruno Lüdke heute Gerechtigkeit widerfährt und dass er auch öffentlich rehabilitiert wird, verdanken wir aber auch Mario Adorf, der Bruno Lüdke als Filmfigur in dem berühmten und – was den Zuschauererfolg angeht – auch erfolgreichen Schwarz-Weiß-Film ‘Nachts, wenn der Teufel kam’ verkörpert hat und der im Abstand von Jahren erkannt hat, dass der Filmstoff, das Drehbuch, eben in Teilen auch der Nazipropaganda aufgesessen war. Und er hat es nicht verschwiegen. Er hat das öffentlich gemacht und hat mir auch geschrieben, dass er eine Rehabilitierung Bruno Lüdkes will – und auch daran teilhaben will. Ich freue mich deshalb, dass er heute gemeinsam mit seiner Frau hier ist.

Bruno Lüdke war kein Täter. Er war ein Opfer. Er ist im Gewahrsam der Nazis gestorben nach einer Reihe von pseudo-medizinischen Menschenversuchen, die an ihm verübt worden sind. Wir denken heute an Bruno Lüdke und wir denken, wenn wir an Bruno Lüdke denken, an die vielen, die mit Behinderung von den Nazis verfolgt, missbraucht und ermordet worden sind.

Ich danke all denjenigen, die die Stolpersteininitiative gegründet, gefördert, bis in unsere heutigen Tage getragen haben, weil sie eben auch jüngere Leute, jüngere Generationen über unsere eigene Geschichte stolpern lässt; nachdenken lässt darüber, was an Unrecht geschehen ist und mithelfen lässt, dass solches nie wieder geschieht.”

Noch bis in die späten 1990er-Jahre hinein wurde der unschuldige Bruno Lüdke als “”größter Massenmörder in der deutschen Kriminalgeschichte”” bezeichnet. Der Schauspieler Mario Adorf, der 1957 mit der Verkörperung des Bruno Lüdke seinen Karrieredurchbruch feierte, setzte sich nach Bekanntwerden der Unschuld Lüdkes für dessen Rehabilitierung ein. Da Lüdke nie verurteilt worden ist, kann es mangels eines Urteils eine Rehabilitierung im juristischen Sinne nicht geben. Bei der Stolpersteinverlegung sagte Adorf: “”Als Schauspieler und Darsteller des Bruno Lüdke in dem Film ‘Nachts, wenn der Teufel kam’ löste die Entdeckung der Wahrheit in mir ein tief empfundenes Bewusstwerden der Verantwortung aus. Verantwortung für meine plötzlich fragwürdig gewordene Darstellung. Denn es handelt sich ja nicht um eine fiktive Filmfigur, sondern um einen realen Menschen, dem ich durch meine Darstellung jahrzehntelang den Ruf des schlimmsten Massenmörders der deutschen Kriminalgeschichte aufdrückte und unter dem seine Familie bis heute zu leiden hat. Das verlangte Wiedergutmachung.””

Die Medienwissenschaftlerin Susanne Regener und der Historiker Axel Doßman, die den Kriminalfall Bruno Lüdke akribisch in ihrem Buch “”Fabrikation eines Verbrechers. Der Kriminalfall Bruno Lüdke als Mediengeschichte”” aufgearbeitet und die Unschuld Lüdkes nachgewiesen haben, wirkten ebenfalls bei der Stolpersteinverlegung mit.

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