Home > Allgemein > “Den Opfern einen Namen geben” – schöner Beitrag über die Stolpersteine auf BR 24

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Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das dürfte Terry Swartzbergs Lebensmotto sein. Seit zehn Jahren engagiert sich der jüdisch-amerikanische Journalist leidenschaftlich für die Initiative „Stolpersteine für München“.  149 Steine wurden bis jetzt in München verlegt. Eine kleine Zahl, wenn man sie beispielsweise mit den  9000 Stolpersteinen in Berlin vergleicht, erklärt Schwartzberg. Und gleichzeitig eine große Zahl, wenn man bedenkt, dass es in München verboten ist, Stolpersteine auf öffentlichem Grund zu verlegen. So hat es die Stadt 2015 entschieden.

“In München müssen wir Stolpersteine auf Privatgrund verlegen. Auf städtischem Grund, also auf Bürgersteigen, geht es nicht. Wir haben eine sehr würdige Art gefunden, Stolpersteine so zu verlegen, dass jeder es sieht. Und dass sie auch der Gesetzgebung entsprechen.”

Terry Swartzberg, Journalist und Aktivist

Und zwar auf den Türschwellen zu den jeweiligen Häusern, wo die Opfer zuletzt wohnten. Allerdings müssen alle Wohnungseigentümer damit einverstanden sein. Sie  ausfindig zu machen, anzuschreiben, mit ihnen zu verhandeln – das kostet viel Zeit.

Stolpersteine: Hausbesitzer müssen einverstanden sein

Für Michael Halbig, damals Eigentürmer des Hauses in der Reitmorstrasse 53, stand die Entscheidung für die Stolpersteine sofort fest: “Der Terry hat uns kontaktiert, dass er gerne Stolpersteine verlegen würde bei uns im Haus. Und ich hab gesagt, dass er hier offene Türen einrennt.”

Unterstützung bei den Recherchen bekommt Terry von drei Jugendlichen der Montessori Fachoberschule München, die bei ihm gerade ein Schülerpraktikum machen. Levin sucht die Adressen der Opfer des NS-Regimes aus: Neben Juden sind es Widerstandskämpfer, Sinti und Roma und Homosexuelle.

Luis setzt die Briefe an die Hausbewohner auf, bittet darin um Kontaktdaten der Eigentümer und trägt die Briefe aus. Er habe durch dieses Projekt einen ganz anderen Blick auf die Geschichte bekommen, so Luis: “Ich finde diese Stolpersteine eine gute Art, die Opfer zu ehren. Ich möchte auf jeden Fall etwas dazu beitragen, geldlich und so.”

Patenschaften unterstützen die Initiative

Geldlich bedeutet: Für 120 Euro kann jeder die Patenschaft eines Stolpersteins für ein bestimmtes Opfer des Naziregimes übernehmen. Mit diesem Geld werden die Fertigung und das Verlegen des Stolpersteins bezahlt. Für April ist eine neue Verlegung geplant. So eine Unterstützung ist wichtig für die private Initiative, die sich nur aus Spenden finanziert. Aber es gehe dabei auch um persönliches Gedenken.

“Das ist die Kernidee von Stolperstein. Diese Zahl – 6 Millionen jüdische Opfer – ist so immens. Es ist so anonym. Wenn man sagt: ein Mensch wurde ermordet und dem trauere ich nach, dann wird der Holocaust persönlich. Mindestens ein kleines bisschen habe ich da beigetragen, dass dieser Menschen nicht vergessen wird.”

Terry Swartzberg

Dafür sorgt auch der dritte Praktikant, Martin – diesmal künstlerisch. Er hat einen Rap über Stolpersteine komponiert, das auf Youtube schon viele Klicks hat:

“Als ich mal meine Freunde gefragt habe, was Stolpersteine sind, haben sie erst einmal gefragt was ist das? Und das sagt schon alles eigentlich alles,  dass nicht jeder Jugendliche und jede Person wissen was Stolpersteine sind. Und dieses Lied  ist dazu gedacht,  dass Stolpersteine bekannt gemacht werden und so viel wie möglich für das Gedenken gemacht wird.”

Martin, Schüler

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