Home > Allgemein > Simon-Snopkowski-Preis 2010

Zum dritten Mal ist am 28. Oktober in der Münchner Residenz der Simon-Snopkowski-Preis der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition verliehen worden. Der 2001 verstorbene Arzt und Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, der seine Familie im Holocaust verlor, hatte sich früh und gegen manche Widerstände in den Gemeinden für ein neues Verhältnis zu den nichtjüdischen Deutschen eingesetzt, wie seine Witwe Ilse Ruth Snopkowski ausführte.
In einer bewegenden Präsentation stellten die Schülerinnen und Schüler der Grundschule St. Martin in Mallersdorf-Pfaffenberg und der Bamberger Maria-Ward-Realschule ihre Recherchen vor. In der Grundschule gingen die 10jährigen den Spuren des örtlichen jüdischen Friedhofs nach, auf dem Überlebende des Todesmarsches aus Buchenwald ihre letzte Ruhe fanden. Die Mädchen aus Bamberg werteten das Tagebuch Erika Löbls vom damaligen Lyceum der Englischen Fräulein aus und sorgten dafür, dass Gunter Demnig zur Erinnerung an ihre 1942 in Treblinka ermordete Großmutter Karolina Löbl einen Stolperstein verlegte. Kultusminister Ludwig Spaenle hielt die Laudatio.
Als Oberbürgermeister Christian Ude den Ehrenpreis dem Filmemacher Michael Verhoeven aushändigte, verzichtete er wohlweislich auf einen Kommentar, warum die Stolpersteine in München verboten sind. Stattdessen konzentrierte er sich auf das Werk Verhoevens, zu dem die Filme „Die Weiße Rose“, „Das schreckliche Mädchen“, „Der unbekannte Soldat“ sowie „Das menschliche Versagen“ gehören. Ude beklagte, dass der Geist des NS-Unrechtsstaates weit in die Bundesrepublik hineinragt, wie die Untersuchung über die von Joschka Fischer konstatierte „Elitenkontinuität“ im Auswärtigen Amt belegt.

Reiner Bernstein

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