Olga Benario-Prestes

Olga Benario-Prestes
* 27.01.1901 in München,
ermordet in Bernburg am 01.01.1942

Haydnstraße 12, München
Stolperstein noch nicht verlegt

Biografie

Olga Benario-Prestes wird am 12. Dezember 1908 in München als Tochter des sozialdemokratischen Rechtsanwalts Leo Benario geboren. Ihre Jugend- und Schulzeit verlebt Olga in München in der Jakob-Klar-Straße 1. Im Jahr 1923 schließt sie sich der „Kommunistischen Jugend“ (KJ) in München an und wird in der Folgezeit eines der aktivsten Mitglieder der Schwabinger Sektion. Sie lernt den Revolutionär Otto Braun kennen und verliebt sich in den sieben Jahre älteren Mann. Gemeinsam mit Braun geht sie – wohl 1924 – nach Berlin, um hier ihre Arbeit in der kommunistischen Bewegung fortzusetzen. Sie wird Agitprop-Sekretär der Neuköllner KP, hält marxistische Schulungen unter der Neuköllner Arbeiterjugend und organisiert die illegale Parteiarbeit. 1926 avanciert Olga Benario zum Agitprop-Sekretär für die gesamte Kommunistische Jugend Berlin; wenig später überträgt man ihr auch das Amt des politischen Sekretärs. Im Oktober 1926 werden Otto Braun und Olga Benario unter Berufung auf das Republikschutzgesetz verhaftet. Während Olga Benario schon nach zwei Monaten wieder freigelassen wird, bereitet die Reichsanwaltschaft gegen Otto Braun einen Hochverratsprozeß vor. Eine Gruppe um Olga Benario plant daraufhin die Befreiung des Inhaftierten. Tatsächlich gelingt es in einer spektakulären Aktion im April 1928 Otto Braun aus dem Gefängnis Moabit zu befreien. Er flüchtet mit Olga nach Moskau. 1931 erhält sie von der Parteizentrale den Auftrag, in Frankreich beim Jugendverband der KP Instruktionsarbeit zu leisten. Vor ihrer Abreise löst sie die Verbindung mit Otto Braun. Während ihres Aufenthalts in Paris wird Olga Benario in das Präsidium der kommunistischen Jugendinternationale gewählt. Sie kehrt nach Moskau zurück und lernt 1934 den brasilianischen Revolutionär Carlos Prestes kennen. Im Auftrag der Partei begleitet sie Prestes 1935 nach Brasilien, wo dieser den bewaffneten Kampf fortsetzen will. Geleitet von der Theorie eines erfolgreichen „Aufstandes in halbkolonialen Ländern“ beteiligt sich Olga Benario an der gescheiterten Revolte in Rio 1935, die von einheimischen und ausländischen Kommunisten unter Federführung der KOMINTERN initiiert und von den örtlichen Sicherheitsorganen bereits nach kürzester Zeit niedergeschlagen wird. Im September 1936 muss Olga Benario, die inzwischen mit Carlos Prestes verheiratet ist, Brasilien verlassen – sie ist im achten Monat schwanger, als sie per Schiff Hamburg erreicht. Sie wird der Gestapo Berlin übergeben. Im Frauengefängnis Barnimstraße kommt am 27.11.1936 ihre Tochter Anita zur Welt. 1938 wird Olga Benario in das Frauen-KZ Ravensbrück verlegt, wo sie Zwangsarbeit für die Fa. Siemens verrichten muss. Im Februar 1942 wird sie in die Anstalt Bernburg transportiert und dort mit anderen Frau aus dem KZ Ravensbrück ermordet (Gas). Das Andenken an Olga Benario-Prestes wurde besonders in der ehemaligen DDR wachgehalten. Dort trugen zahlreiche Schulen, Plätze und Straßen ihren Namen. In der DDR-Geschichtsschreibung „entstand das Bild einer stolzen, schönen und heiteren Olga, Kommunistin seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr, die durchdrungen von Idealismus, romantischen Vorstellungen und einem unabdingbaren Gehorsam gegenüber der Partei, leidenschaftlich zum Martyrium bereit war“ (William Waack, entnommen dem Biographischen Gedenkbuch der Münchner Juden, Hrsg. Stadtarchiv München).