
München ist nicht Heidenau
Der Vorstand der „Initiative Stolpersteine für München e.V.“ zeigt sich entsetzt über das Verhalten des Stadtrats in Heidenau. Dort hat die CDU gemeinsam mit der AfD beschlossen, Stolpersteine aus der Stadt zu verbannen.
Das zeigt deutlich den krachenden Einsturz der sogenannten Brandmauer, indem die CDU im sächsischen Heidenau mit Rechtsextremen (so darf man sie laut Gerichtsurteil nennen) ausgerechnet beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gemeinsame Sache macht.
Auf den Friedhof soll es verbannt werden – dort, „wohin das Gedenken nach Meinung der AfD schon längst gehört,“ so schrieb der Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner in einer Pressemitteilung.
Auch wir von der „Initiative Stolpersteine für München e.V.“ sind der Meinung: Dieser Beschluss ist Wasser auf den Mühlen der Rechtsextremen!
Wir danken dem Antisemitismus-Beauftragten der Bayrischen Staatsregierung, Ludwig Spaehnle, ausdrücklich für die klaren Worte, die er auf den Sozialen Medien gefunden hat: „Wenn dies „mein“ Unionsverband wäre, würde ich Ausschlussverfahren gegen die Betroffenen anstrengen“ und weiter: „Sich in einer solchen Frage mit der AfD gemein zu machen, ist unverzeihlich“.
Ähnlich äußerte sich Charlotte Knobloch gegenüber der Funke Mediengruppe. Sie sagte, sie sei entsetzt, „dass eine demokratische Partei sich dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen.»
Auch hier in München dürfen Stolpersteine nicht auf städtischem Grund verlegt werden.
Das geht auf einen Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2004 zurück, der 2015 bestätigt wurde. Er kam zustande, nachdem die Befürchtung geäußert wurde, die Opfer könnten so erneut mit Füßen getreten werden.
Diesen Beschluss respektieren wir natürlich. Und es erschreckt uns, dass in Heidenau gemeinsam mit der AfD das gleiche Argument angeführt wird – wenn auch aus durchschaubaren anderen Gründen.
Die Stadt gedenkt der Opfer mit Erinnerungszeichen. Daneben gibt es inzwischen mehr als 450 Stolpersteine in München – die wir auf Privatgrund und auf staatlichem Grund verlegt haben.
Gedacht wird damit an mehr als 450 Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Widerstandskämpfer, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. Sie alle haben einen Namen und eine Geschichte, an die erinnert wird.
Wir meinen: wenn jemand einen solchen Stein sieht und innehält, um den eingravierten Namen, die Lebensdaten und das Schicksal eines Menschen zu lesen, dann neigt er dabei den Kopf – und verneigt sich so vor dem Opfer.
Die Verlegungen in München gibt es, weil Bürgerinnen und Bürger in Zeichen setzen möchten. Denn – anders als in anderen Städten – müssen hier die Eigentümer:innen und Bewohner:innen der Häuser, in denen Opfer des Nationalsozialismus gewohnt haben, ihre Zustimmung zur Verlegung geben und einen geeigneten Platz zur Verfügung stellen. Deshalb beschäftigen sie sich intensiv mit der Geschichte ihrer ehemaligen Mitbewohner:innen und Nachbar:innen.
Bei den Gesprächen erleben wir immer wieder, dass diese Menschen froh sind, einen Teil zur Erinnerungsarbeit in dieser Stadt beitragen zu können. Auch kümmern sie sich intensiv darum, dass die Steine immer wieder poliert werden – und so als Denkmal erhalten bleiben.
Besonders seit dem Erstarken des rechten Randes bekommen wir immer mehr Bestätigung für unsere Arbeit.
Unsere Mitgliederzahl wächst, die Zustimmungen zu Verlegungen kommen häufiger und schneller.
Auch unsere Bildungsarbeit trägt Früchte: Viele Jugendliche an mehr als 50 Schulen lernen am Beispiel der Opfer sehr viel über die Geschichte des Nationalsozialismus und darüber, was eine Diktatur für das Leben der Menschen in einem Land bedeutet. Unter anderem erstellen sie Beiträge für Social Media – und erreichen damit andere Jugendliche. Ein TikTok-Video, in dem die Stolpersteine vorgestellt werden, erzielte mehr als 3 Millionen Views – und hält damit den Rekord in der Kategorie „Erinnerung und Gedenken“. Es wurde von Schüler:innen des St. Anna Gymnasiums erstellt und bekam außerdem fast 120.000 Likes.
Verschiedene Instagram-Videos erzielten mehrere Zehntausend Aufrufe
Das Gedenken wird in diesen Zeiten wieder immer wichtiger.
Wir tragen gerne unseren Teil dazu bei – damit jeder und jede sehen kann, was passiert, wenn wir nicht gut auf unsere Demokratie aufpassen. Wenn demokratische Parteien jetzt ausgerechnet bei dieser wichtigen Arbeit mit Rechtsextremen zusammenarbeiten, ist das ein Tritt ins Gesicht der Opfer.
