Benno Bing

Benno Bing
* 22.12.1874 in Würzburg, deportiert am 06.11.1942
ermordet in Auschwitz am 21.12.1942

Keuslinstraße 4, 80798 München
Stolperstein verlegt am 12.11.2018

Biografie

Theaterdirektor, geboren am 22.12.1874 in Würzburg, geschieden, emigriert am 01.10.1933 nach Prag, CZ, später emigriert nach Frankreich, deportiert am 06.11.1942 aus Drancy (Lager) nach Auschwitz, ermordet am 21.12.1942 in Auschwitz (13. Tewet 5703)

Eltern

Adolf Bing, Kaufmann, Therese Bing, geb. Niedermeier

Geschwister

Max, geboren am 08.08.1873 in Würzburg, gestorben am 18.03.1929 in München

Ehepartner

Heirat am 06.03.1897 in London mit Karoline Bing, geb. Tausend, Geschäftsinhaberin, geboren am 03.01.1877 in München, gestorben am 26.09.1963 in München. Die Ehe galt als Mischehe.

Kinder

Rosa, geboren am 06.03.1898 in München
Beatrice Irma, geboren am 22.11.1902 in London
Antigone Edna, geboren am 05.01.1906 in London
Rudolf Friedr. Adolf, geboren am 24.09.1910 in München

Adressen in München

Zugezogen am 01.11.1909 von Berlin

  • Keuslinstraße 4 (seit 01.11.1909)

Weitere Informationen

Benno Bing wurde am 22. Dezember 1874 in Würzburg als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Als Neunjähriger kam er nach München und wurde Schüler am Max-Gymnasium in Schwabing. 1897, drei Jahre nach dem Abitur, heiratete er in London die junge Münchnerin Karoline Tausend. Sie war damals erst zwanzig Jahre alt und katholisch. Schon im Jahr darauf kam in München die erste Tochter – Rosa – auf die Welt; zwei weitere Töchter wurden in London geboren: Beatrice 1902 und Antigone 1906.

Im November 1909 zog die junge Familie nach München in die KeusIinstraße 4, in eine Wohnung im 2. Stock. Im Jahr darauf kam Sohn Rudolf zur Welt. Im Januar 1911 gründete der junge Jurist und Theatermensch Eugen Robert zusammen mit zwei, drei anderen Theatermenschen und Juristen in der Augustenstraße 89 ein freies Theater – das “Privattheater” -, das im Jahr darauf in “Münchner Kammerspiele” umbenannt wurde.

Der Name war Programm, die “Münchner Kammerspiele” wurden die Bühne für zeitgenössische deutsche und ausländische Autoren, für die literarische Avantgarde und für Experimente. In der Theaterdirektion dieser “Münchner Kammerspiele” in der Augustenstraße 89 war von 1973 bis 1926 zusammen mit den künstlerischen Direktoren Erich Ziegel (bis 1916 ), Hermann Sinsheimer (bis 1917) und Otto Falckenberg (ab September 1917) der kaufmännische Direktor Benno Bing.

Im September 1926 zogen die “Münchner Kammerspiele” in das Schauspielhaus in der Maximilianstraße um; künstlerischer Direktor war damals Otto Falckenberg, kaufmännischer Direktor war Benno Bing. Im Dezember 1928 gründete in München der Nazi-Ideologe Alfred Rosenberg den “Kampfbund für deutsche Kultur”(KdfK). Rosenberg forderte – mit Unterstützung aus der NSDAP und aus bürgerlich-reaktionären Kreisen – “die Entfernung von undeutschen und marxistischen Persönlichkeiten aus den Theatern der Systemzeit”. Im rassistischen Klartext lautete diese Forderung im Februar 1933 in München: “Die Münchner Kammerspiele müssen von jüdischen und ausländischen Elmenten gesäubert werden”.

Benno Bing entschloss sich im Oktober 1933 zur Flucht nach Prag, von dort im April 1935 weiter nach Paris und im Dezember 1938 weiter in die Bretagne nach Ploer à Port-Saint-Hubert, einen kleinen Hafenort an der Kanalküste.

Wir wissen nicht, ob Benno Bing womöglich versucht hatte, nach London zu fliehen, wo er mit seiner Familie schon einmal gelebt hatte. Zwei weitere Direktoren der “Münchner Kammerspiele” waren zuvor schon nach England emigriert: 1933 Eugen Robert und 1938 Hermann Sinsheimer. Benno Bing war 1910 aus der jüdischen Gemeinde in München ausgetreten, doch die Rassengesetze der Nationalsozialisten von 1935 erklärten ihn trotdem zum Juden und zum “juif étranger” im besetzten Frankreich.

Wir wissen nicht, ob Menschen versuchten, ihm untertauchen zu helfen, ihn vor der Verhaftung zu warnen, ihm das Leben zu retten. Was wir wissen, sind die bürokratisch genau dokumentierten Täter-Daten der Auslöschung eines Lebens. Am 9. Oktober 1942 wurde Benno Bing verhaftet in La Ferté-Bernard im Departement Sarthe (westlich von Paris), am 18. Oktober interniert im Lager Drancy (im Nordosten von Paris) und am 6. November von dort deportiert, “par le convoi no. 42. Le train quitte la gare à 8h55 du matin”.

Am 21. Dezember 1942 wurde Benno Bing in Auschwitz ermordet. Seine Frau Karoline war 1938 von der Gestapo in München zur Scheidung von ihrem geflohenen Mann genötigt worden; andernfalls wäre ihr sonst die Existenzgrundlage entzogen worden, ihr ,,Hohlsaum- und Plissée Geschäft” in der Augustenstraße 16.

Karoline Bing und die vier Kinder Rosa, Beatrice, Antigone und Rudolf überlebten den Holocaust. Ihr Vater, Benno Bing, hatte sie geschützt und den französischen Behörden erklärt: ,,Mes enfants appartiennent à la religion catholique comme leur mere et résident en Allemagne.” – ,,Meine Kinder gehören wie ihre Mutter der katholischen Religion an und leben in Deutschland.”.

Nach einem Text von Janne u. Klaus Weinzierl, Lektorat C. Fritsche

Quellen:
Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945
Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“
Arolsen Archives