Berthold Triest
Berthold Triest
* 08.01.1886 in Bamberg, deportiert am 19.08.1942
aus Drancy (Lager) nach Auschwitz, ermordet in Auschwitz
Reitmorstraße 53, München
Stolperstein verlegt am 10.06.2021
Biografie

Berthold (auch Bertold) Triest
Fabrikant, geboren am 08.01.1886 in Bamberg, verheiratet, emigriert am 08.09.1939, LU, emigriert , FR, deportiert am 19.08.1942 aus Drancy (Lager) nach Auschwitz, ermordet am 19.08.1942 oder kurz danach in Auschwitz (06. Elul 5702)
Eltern
Moritz Triest, Hopfenhändler in München, Emilie, geb. Böhm
Geschwister
Josef, geboren am 14.06.1877 in Bamberg
Karl, geboren am 28.05.1879 in Bamberg
Sophie verheiratete Silberthau, geboren am 18.10.1882 in Bamberg
Ehepartner
Heirat am 20.04.1922 in München mit Lina Westheimer, geboren am 08.01.1899 in Karlsruhe
Kinder
Hans Heinz, geboren am 29.03.1923 in München
Margot Ellen, geboren am 19.04.1929 in München
Adressen in München
Zugezogen am 12.04.1920 von Bamberg
- Karlstraße 54a, Segenfelder (seit 07.08.1920)
- Elisenstraße 3, Strozka (seit 25.03.1920)
- Liebigstraße 12, Wurmdobler (seit 18.10.1921)
- Mannhardtstraße 3, eigene Wohnung (seit 05.02.1923)
- Reitmorstraße 53, eigene Wohnung (seit 12.05.1925) (bis 08.09.1939)
- Abgemeldet am 08.09.1939 nach Luxemburg
Weitere Informationen
Berthold Triest wurde am 8. Januar 1886 in Bamberg geboren, als jüngstes von vier Kindern des Hopfenhändlers Moritz Triest und seiner Ehefrau Emilie, geb. Böhm. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Wäschefabrikant und heiratete im April 1922 die 13 Jahre jüngere Lina Westheimer. Schon im Jahr darauf kam das erste Kind, Hans Heinz, zur Welt. Seit Mai 1925 wohnte die Familie in der Reitmorstraße 53 und bekam 1929 noch ein zweites Kind, Margot Ellen. 1939 kam nahmen die vier für wenige Wochen Bertholds 89jährigen Vater Moritz Triest bei sich auf, der seit dem Tod seiner Frau bei seiner einzigen Tochter Sophie gewohnt hatte.
Nach dem Umzug des alten Vaters in das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße im September 1939 flohen Lina und Berthold Triest über Luxemburg nach Marseille. Im Lager Les Milles wurden die beiden interniert und vom Durchgangslager Drancy am 19.08.1942 mit dem 21. Konvoi nach Auschwitz deportiert. Der Transport umfasste 1000 Menschen. Noch an der Rampe wurde selektiert, 817 Personen wurden unmittelbar von der Rampe in die Gaskammern geschickt und ermordet. Nur 45 Frauen und 138 Männer wurden mit einer Häftlingsnummer registriert und ins Lager aufgenommen. Berthold und Lina Triest gehörten nicht dazu, seit diesem Tage gelten sie als “verschollen”. Sie wurden vermutlich an diesem oder einem der darauffolgenden Tage in den Gaskammern ermordet.
Auch die beiden Kinder von Lina und Berthold Triest waren in Les Milles interniert worden, doch konnten sie durch das Kinderhilfswerk OSE in einem Kinderheim versteckt werden. Im Frühjahr 1940 gelang dem damals 17jährigen Heinz (er nannte sich dann Howard) die Flucht nach New York, später lebte er in Florida. Seine Schwester Margot konnte 1943 von Fluchthelfern in die Schweiz in Sicherheit gebracht werden; sie ging später ebenfalls nach New York.
Im Gedenken an alle Mitglieder der Familie Triest, die zeitweilig in der Reitmorstraße 53 lebten – Berthold und Lina Triest mit den Kindern Heinz und Margot und dem verwitweten Großvater Moritz Triest – wurden am 10. Juni 2021 Stolpersteine in die Schwelle der Eingangstüre eingebettet.
Quellen: Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ Arolsen Archives
