Ella Grünbaum, geb. Stern

Ella Grünbaum, geb. Stern
* 15.08.1900 in Piwniezna, Bez. Neusandez (Polen), deportiert am 02.09.1942
aus Drancy, ermordet in Auschwitz am 04.09.1942

Ickstattstraße 13, München
Stolperstein verlegt am 27.06.2017

Biografie

Ella (Ethel) Grünbaum, geb. Stern

Kaufm. Angestellte, Damenschneiderin, geboren am 15.08.1900 in Piwniezna, Bez. Neusandez, Polen, verheiratet, emigriert am 30.06.1939, IT, emigriert nach Nizza, FR, deportiert am 02.09.1942 aus Drancy (Lager) nach Auschwitz, ermordet am 04.09.1942 in Auschwitz (22. Elul 5702)

Eltern

Abraham Adolf Stern, Kaufmann in München, Henriette Jetty Lotte Stern, geb. Grau

Geschwister

Aron Armin Stern, geboren 02.07.1895 Benyek, Ungarn, emigrierte im August 1938 nach Lugano, von dort später nach Haifa, Palästina
Regina Katz, geboren 04.02.1897 Benyek, lebte in Straßburg, zuletzt in Troyes, am 21.09.1942 mit dem 35. Konvoi von Pithiviers nach Auschwitz deportiert und ermordet
Moritz, geboren 09.09.1898 Benyek, lebte seit 1931 in Berlin, offensichtlich Emigration
Therese Adest, geboren 23.05.1906 München, emigrierte von Frankfurt am Main nach Jerusalem, Palästina
Wilhelm, geboren 29.05.1909 München, gestorben 17.05.1937 München

Ehepartner

Heirat am 17.03.1938 in München mit Joseph Chaim Grünbaum, Kaufmann, geboren am 28.02.1895 in Lancut, Polen.

Kind(er)

Miriam, geboren am 08.01.1939 in München

Adressen in München

Zugezogen am 01.01.1903

  • Ickstattstraße 13 , bei den Eltern (seit 01.02.1914)

Weitere Informationen

Ella (Ethel) Grünbaum arbeitete ab 11.06.1934 als selbständige Damenschneiderin. Dieses Gewerbe wurde am 31.12.1938 abgemeldet. Danach war sie als kaufmännische Angestellte im “Leinenhaus Fraenkel”, Theatinerstraße 46, beschäftigt.

ln der lckstattstraße 13 lebten bis 1939 drei jüdische Familien: die Rosners, die Sterns und die Grünbaums.

Der Metzger, Kaufmann und Privatlehrer Abraham Adolf Stern und seine Ehefrau Henriette Lotte Stern stammen beide aus Galizien. 1904 zogen die beiden mit ihren 4 Kindern – Aron Armin, Regina, Moritz und Ella – nach München; Abraham Stern war damals 39, Henriette 30 Jahre alt.

Im ersten Jahr wohnten die Sterns im Unteren Anger und in der Lilienstraße und bekamen zwei weitere Kinder, Therese und Wilhelm. 1914 zog die inzwischen 8-köpfige Familie in eine größere Wohnung in die lckstattstraße 13 um, wo sie bis 1939 – also 25 Jahre lang – wohnte.

lm Dezember 1939 mussten die alten Eltern in die Reichenbachstraße umziehen. Am 10. Juni 1942 – Abraham war damals 78 Jahre alt, Henriette 69 – wurden die beiden nach Theresienstadt deportiert und wenig später im Vernichtungslager Treblinka ermordet. lhr jüngster Sohn Wilhelm war bereits am 17. Mai 1937 im Alter von 28 Jahren unter ungeklärten Umständen gestorben. Seinem Bruder Aron Armin gelang die Flucht nach ltalien, wo er sich verstecken konnte und überlebte.

Auch Ella Stern, die im März 1938 den ebenfalls aus Galizien stammenden Kaufmann Joseph Grünbaum geheiratet und im Jahr darauf ein Töchterchen – Miriam – bekommen hatte, wohnte bei ihren Eltern in der lckstattstraße 13. Die Familie Grünbaum bemühte sich ab Frühjahr 1939 vergeblich um Emigration in die USA. Ethel Grünbaum emigrierte mit Ehemann und der kleinen Tochter über Italien nach Frankreich. Sie lebten zuletzt in Nizza. Wie Ellas Bruder Aron Stern, versuchte auch die junge Familie Grünbaum nach ltalien zu fliehen, wurde aber auch dort von den Nazis gejagt und in Frankreich in das berüchtigte Sarnmellager Drancy unweit von Paris gebracht. Dies geschah offenbar bei der großangelegten Razzia in der unbesetzten Zone in der Nacht vom 26. auf den 27. August 1942.

Am 2. September 1942 wurden Joseph, Ella und Miriam mit dem 27. Konvoi nach Auschwitz deportiert und zwei Tage später sofort nach ihrer Ankunft ermordet. Miriam war damals erst 3-einhalb Jahre alt – und gehört zu den rund 6.000 jüdischen Kindern und 59.000 jüdischen Erwachsenen, die allein von Drancy aus nach Polen in die Todeslager der Nazis verschleppt und dort ermordet wurden.

Der Konvoi 27 erreichte Auschwitz am 04.09.1942. Von den insgesamt 1016 Deportierten dieses Konvois sind 30 Überlebende bekannt (nach Serge Klarsfeld: Memorial to the Jews Deported from France 1942-1944, S. 236).

Quelle:
Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945