Franziska "Fanny" Marx, geb. Walter
Franziska "Fanny" Marx, geb. Walter
* 30.12.1896 in Kleinsteinach, Kr. Haßfurt, deportiert am 20.11.1941
nach Kaunas, ermordet in Kaunas am 25.11.1941
Corneliusstraße 2, 80469 München
Stolperstein noch nicht verlegt
Biografie

Franziska (Fanny) Marx, geb. Walter
geboren am 30.12.1896 in Kleinsteinach, Kr. Haßfurt, verheiratet, deportiert am 20.11.1941 aus München nach Kaunas, ermordet am 25.11.1941 in Kaunas (05. Kislev 5702)
Eltern
Meier Walter, Viehhändler in München, Regina, geb. Kohl
Geschwister
Benno, geboren am 02.01.1899 in Kleinsteinach, emigriert im Juli 1942 nach New York
Ehepartner
Heirat am 07.03.1922 in München mit Julius Marx, geboren am 10.11.1885 in München, gestorben am 25.11.1941 in Kaunas
Kind(er)
Lisl Karola, geboren am 20.12.1923 in München
Adressen in München
- Corneliusstraße 2 (seit 21.03.1922)
- Maximilianstraße 9 (seit 08.01.1940)
Weitere Informationen
Fanny Walter wurde am 30.12. 1896 in Kleinsteinach (Kreis Haßberge, Unterfranken) als erstes von zwei Kindern des Viehhändlers Meier Walter und seiner Frau Regina Walter (geb. Kohl) geboren.
Am 7.3.1922 heiratete sie in München den Kaufmann Julius Marx, der in der Corneliusstr. 2 einen Groß- und Kleinhandel in Schuhwaren betrieb. Die Tochter Lisl Karola, geboren am 20.12.1923, starb am 27.4.1938; die Todesursache ist nicht bekannt.
Kurz nach Lisls Tod wohnte ein Geschäftsfreund beim Ehepaar Marx: Franz Fried, der Großvater von Amelie Fried, die diese Geschichte 70 Jahre später veröffentlichte. Nach seiner Entlassung aus dem KZ kam er für einige Zeit in der in der Corneliusstraße 2 unter.
Fanny Marx wurde gemeinsam mit ihrem Mann am 20.11.1941 mit etwa 1000 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus München vom Güterbahnhof Milbertshofen nach Kaunas deportiert. Es war die erste Massendeportation Münchner Juden; ursprünglich war Riga als Ziel vorgesehen, der Zug wurde aus Kapazitätsgründen umgeleitet. Fünf Tage nach ihrer Ankunft wurden alle diese Deportierten im Fort IX in Kaunas durch das Einsatzkommando 3 unter SS-Standartenführer Karl Jäger erschossen.
Fannys Vater Meier Walter hatte eine bedeutende Position in der Jüdischen Gemeinde Kleinsteinach inne; 1937 erschien anlässlich seines 70. Geburtstags am 28.2. eine Laudatio in der Zeitung. Zwei Jahre später, im September 1939, zog er mit seiner Frau Regina nach München, die beiden wohnten zunächst bei Tochter und Schwiegersohn in der Corneliusstraße, ab 08.01.1940 in der Maximilianstraße 9, ehe sie am 12.11.1941 ins Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Klenzestraße 4 umzogen. Wenige Monate später starben beide kurz hintereinander, Regina Walter am 15.04.1942, Meier Walter am 25.04.1942. Beide sind auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München begraben.
Fannys jüngerer Bruder Benno Walter (geboren am 02.01.1899 in Kleinsteinach) ging mit 13 Jahren nach Berlin, wo er später eine große Textilfabrik aufbaute und Siddy Walter, geb. Distelburger heiratete; 1940 wurde die Tochter Carol in Berlin geboren. Im Juli 1942 gelang der Familie die Emigration nach New York, wo im selben Jahr die Tochter Ruth zur Welt kam.
Carol, die Nichte von Fanny Marx, heiratete Martin Seidman. Die beiden lebten in Florida und hatten zahlreiche Kinder und Enkelkinder.
(Text Thomas Nowotny, Lektorat C. Fritsche)
Quellen: Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945, Band 2 (München 2007). Yad Vashem Database Amelie Fried: Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte (Hanser 2008) Persönliche Mitteilung von Carol Seidman, Boca Raton, Florida/USA Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ Arolsen Archives
