Heinrich Oestreicher
Heinrich Oestreicher
* 12.05.1868 in München, deportiert am 22.07.1942
nach Theresienstadt, ermordet in Theresienstadt am 15.03.1943
Viktor-Scheffel-Straße 19, 80803 München
Stolperstein verlegt am 01.09.2007
Biografie

Wolle- und Fellgroßhändler, geboren am 12.05.1868 in München, verwitwet, deportiert am 22.07.1942 aus München nach Theresienstadt, ermordet am 15.03.1943 in Theresienstadt (08. Adar II 5703)
Eltern
Amson Oestreicher, Landesproduktenhändler, Johanna Oestreicher, geb. Levinger
Geschwister
Emil Oestreicher, geboren am 18.12.1873 in München, deportiert am 15.07.1942 nach Theresienstadt, ermordet in Treblinka
Arthur, geboren am 22.04.1876 in München, gestorben am 28.10.1929 in München
Wilhelm, geboren am 11.10.1877 in München, verheiratet mit einer Nichtjüdin, überlebte die Shoah in München, gestorben am 07.01.1954 in München
Betty, geboren am 31.08.1885 in München
Ehepartner
Heirat am 20.02.1896 in München mit Anna Oestreicher, geb. Wirth, geboren am 03.10.1869 in Bruchsal, gestorben am 05.01.1935 in München.
Die Ehe galt als Mischehe.
Kinder
Maximilian, geboren am 15.05.1898 in München
Erna, geboren am 19.09.1899 in München
Adressen in München
- Türkenstraße 26 (seit 22.10.1928) (bis 30.01.1935)
- Altenmarkt
- Türkenstraße 26, Oestreicher (seit 15.08.1935) (bis 30.08.1935)
- Altenmarkt
- Türkenstraße 26, Oestreicher (seit 01.01.1936) (bis 22.02.1936)
- Viktor-Scheffel-Straße 19 (seit 22.02.1936) (bis 01.11.1938)
- Landwehrstraße 15, Schwarz (seit 01.11.1938)
- Baaderstraße 25 (seit 21.11.1939) (bis 15.09.1941)
- Wagnerstraße 3 (seit 28.09.1941) (bis 14.10.1941)
- Knorrstraße 148 – Barackenlager (seit 20.02.1942) (bis 05.05.1942)
- Baaderstraße 11 (seit 07.05.1942) (bis 29.07.1942)
Weitere Informationen
Heinrich Oestreicher wird am 12. Mai 1868 in München als ältester Sohn von Amson Oestreicher, Landesproduktenhändler in München, und Johanna Oestreicher geb. Levinger geboren.
Am 20. 2. 1896 heiratet Heinrich Oestreicher in München Anna Wirth, geb. 3. 10. 1869 in Bruchsal. Das Ehepaar hat zwei Kinder: Maximilian, geb. 15. 5. 1898 in München, und Erna, geb. 19. 9. 1899 in München. Die Familie lebt in der Ainmillerstr. 26/II.
Heinrich Oestreicher ist bis 1932 als Vertreter tätig. Die nichtjüdische Ehefrau stirbt am 05.01.1935 in München. Nach dem Tod seiner Frau zieht Heinrich Oestreicher am 22.02.1936 in die Viktor-Scheffel-Straße 19/II. Am 21.11.1939 muss er in die Baaderstr. 25/III umziehen, am 28.09.1941 ins Übernachtungsheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Wagnerstr. 3/0. Am 20.02.1942 wird er ins Barackenlager Knorrstraße 148 verbracht; ab dem 7.5. 1942 lebt er wiederum in der Baaderstr. 11/III bis zu seiner Deportation.
Am 22.7.1942 wird Heinrich Oestreicher mit dem Transport II/18 von München nach Theresienstadt deportiert. Das war einer von 24 Transporten zu je 50 Personen, mit denen von Juni bis August 1942 etwa 1200 Juden aus München und Schwaben nach Theresienstadt verschleppt wurden. Die Betroffenen wurden in Omnibussen und Möbelwagen an den Hauptbahnhof oder den Güterbahnhof in Laim gebracht, wo sie in einen Personenwagen dritter Klasse steigen mussten, der an einen regulären Zug angehängt wurde.
Ins hoffnungslos überfüllte Ghetto Theresienstadt wird Heinrich Oestreicher mit 74 Jahren verschleppt. Ob er seinen Bruder Emil wiedersieht, der eine Woche vor ihm nach Theresienstadt deportiert wurde? Wir wissen es nicht. Im September 1942 erreichte die Einwohnerzahl dort ihren höchsten Stand: 53.000 Menschen auf einer Fläche von 115.000 Quadratmetern (zum Vergleich: vor dem Krieg lebten 7.000 Menschen in dem Städtchen, das die Nazis im Juni 1942 zum Ghetto gemacht hatten). Auch über das Leben und Sterben von Heinrich Oestreicher in Theresienstadt wissen wir nichts bis auf das Todesdatum: 15.03.1943.
Schicksal der Angehörigen
Der Sohn Maximilian wurde am 2. Juli 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet. Zuvor hatte er als Ingenieur und Betriebsleiter in Kassel gelebt.
Über das Schicksal der Tochter Erna ist nichts bekannt.
Heinrich Oestreicher hatte vier Geschwister:
Emil Oestreicher, geb. 18.12.1873 in München, Kürschner, wurde am 15.07.1942 nach Theresienstadt deportiert und im September 1943 in Treblinka ermordet. Für Emil Oestreicher ist in der Türckenstr. 26 ein Stolperstein verlegt.
Arthur Oestreicher, geboren am 22.04.1876, starb bereits am 28.10.1929.
Wilhelm Oestreicher, geboren am 11.10.1877, war kaufmännischer Angestellter und heiratete am 17.08.1911 in München Mathilde Reindl (nichtjüdisch) aus Lenggries. Diese “Mischehe“ war der Grund dafür, dass er – trotz Aufenthalt in den verschiedenen Massenunterkünften und Internierungslagern – die gesamte Nazizeit in München überleben konnte. Er starb am 07.01.1954 in München und wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof begraben.
Über das Schicksal von Betty Oestreicher, geb. 31.08.1885 in München, ist nichts bekannt.
Quellen: Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ Arolsen Archives Statistik des Holocaust
