Heinrich Picard

Heinrich Picard
* 13.03.1895 in München, deportiert am 20.11.1941
nach Kaunas, ermordet in Kaunas am 25.11.1941

Herzog-Heinrich-Straße 5, 80336 München
Stolperstein verlegt am 27.06.2017

Biografie

Kaufmann, geboren am 13.03.1895 in München, verheiratet, deportiert am 20.11.1941 aus München nach Kaunas, ermordet am 25.11.1941 in Kaunas (05. Kislev 5702)

Eltern

Louis (Ludwig) Picard, Kaufmann in München, Rosa Picard, geb. Hilb, Kauffrau

Geschwister

Max, geboren am 21.10.1898 in München, emigrierte im August 1940 nach Milwaukee, gestorben Juli 1980 Milwaukee, Wisconsin
Dr. ing. Sophie, geboren am 17.08.1905 in München, gestorben 23.12.1936 München, Suizid

Ehepartner

Heirat am 02.08.1937 in München mit Johanna Picard, geb. Bloch, Sprechstundenhilfe, geboren am 06.08.1906 in München, gestorben am 25.11.1941 in Kaunas

Adressen in München

  • Landwehrstraße 44, bei den Eltern (seit 01.11.1918)
  • Akademiestraße 1, Gschwind (seit 06.01.1930)
  • Landwehrstraße 44, bei den Eltern (seit 01.10.1931)
  • Herzog-Heinrich-Straße 5, bei der Schwiegermutter (seit 20.08.1937)
  • Berlin (27. August 1940 bis 02.04.1941)
  • Mathildenstraße 11 (seit 02.04.1941)
  • Landwehrstraße 44 (seit 30.08.1941)

Weitere Informationen

Heinrich Picard, geboren am 13.März 1895 in München, entstammte einer weitverzweigten angesehen Münchner Kaufmannsfamilie. Er besuchte das Gymnasium und absolvierte ein Wirtschaftsstudium. 1914-1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil.

In erster Ehe war er seit 18.12.1929 mit Anna Fanny, geb. Kaumheimer (geboren 15.07.1907 Nürnberg) verheiratet; die Ehe wurde am 08.10.1931 geschieden.

Heinrich Picard war (neben Vater, Mutter und Bruder) seit 1921 Teilhaber der Fa. Louis Picard, einer Herstellung von Wäsche und Schürzen und dem Großhandel mit Weiß- und Wollwaren, die sich im Anwesen der Familie in der Landwehrstraße 44, Rg. 0-2 befand. Der Betrieb hatte 33 Angestellte. 1938 wurde der Betrieb ‘verkauft’.

Vom 10.11.1938 bis 12.12.1938 war Heinrich Picard in sog. “Schutzhaft” im KZ Dachau interniert.

Vom 27. August 1940 bis 02.04.1941 hielt er sich in Berlin auf, behielt aber währenddessen seine Münchener Wohnung bei.

Fanny Bloch, ihre Tochter und der Schwiegersohn mussten wenige Monate vor der Deportation nach Kaunas noch mehrfach umziehen und wohnten die letzten beiden Monate wieder im Anwesen in der Landwehrstraße 44, das zuvor der Kaufmannsfamilie Picard gehört hatte und welches eine Weile zum ‘Judenhaus’ geworden war.

Heinrich Picard wurde zusammen mit seiner Ehefrau Johanna (Hansi) Picard und deren Mutter Fanny Bloch am 20. November nach Kaunas deportiert und dort bei einer Massenerschießung am 25.November 1941 ermordet.
Das Haus in der Herzog-Heinrich-Straße 5, vor dem nur 6 Stolpersteine für die Familie Picard und das Geschwisterpaar Seligmann verlegt werden konnten, wurde zwischen 1939 bis 1941 von der Vereinigung der bayerischen Milchprüfringe gekauft – so ist es im Verzeichnis des Kommunalreferats über jüdischen Grund- und Hausbesitz, das online einsehbar ist, aufgeführt. Dieses Verzeichnis enthält eine Auflistung von rund 750 Grundstücken und Häusern, die zwischen 1938 und 1942 aus jüdischem Besitz verkauft wurden – in den wenigsten Fällen zu einem angemessenen Preis oder gar freiwillig.

Quellen:
Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945
Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“
Arolsen Archives