Henriette Drey

Henriette Drey
* 05.05.1873 in München, deportiert am 25.06.1942
nach Theresienstadt, ermordet in Treblinka am 30.09.1942

Arcisstraße 16, 80333 München
Stolperstein verlegt am 23.10.2020

Biografie

Privatiere, geboren am 05.05.1873 in München, ledig, deportiert am 25.06.1942 aus München nach Theresienstadt, ermordet am 30.09.1942 in Treblinka

Eltern

Isaak Moritz Drey, Kaufmann in München, Maria, geb. Rothenheim

Geschwister

Laura verheiratete Dobriner, geboren am 23.09.1871 in München, gestorben am 07.07.1942 in Theresienstadt
Hermann Berthold, geboren am 29.04.1882 in München, gestorben am 03.06.1918 in einem Feldlazarett in Frankreich
Jenny verheiratete Wulf, geboren am 18.06.1862 in München
Margarethe verheiratete Fox, geboren am 06.08.1864 in München
Moritz Ludwig, geboren am 15.05.1867 in München, gestorben am 11.01.1875 in München

Adressen in München

  • Arcisstraße 32, bei der Mutter (seit 17.07.1917)
  • Arcisstraße 32, Laura Dobriner (seit 03.01.1928)
  • Adelheidstraße 32, Freundlich (seit 06.12.1938)
  • Kaulbachstraße 65 (seit 17.04.1939)
  • Klenzestraße 4 (seit 19.03.1942)

Weitere Informationen

Henriette Drey wurde 5. Mai 1873 in München geboren. Sie war das jüngste von drei Kindern des Kaufmannehepaars Ignaz und Maria Drey und hatte noch drei Halbge-schwister – Moritz Ludwig, Margarethe Fox und Jenny Wulf – aus erster Ehe des Vaters. Henriette lebte seit Juli 1917 in der Arcisstraße 32, zunächst im Erdgeschoss bei ihrer Mutter, ab Januar 1928 dann im 3. Stock im Haushalt ihrer zwei Jahre ältere leiblichen Schwester Laura Dobriner, deren Ehemann Dr. phil.et chem. Paul Dobrine und den Kindern Georg Hermann und Konrad. Das Haus gehörte Henriettes Eltern und später in den Besitz ihrer Schwester Laura über, bis die NSDAP sie enteignete.

Das ganze Areal rund um den Königsplatz sollte zum Parteiviertel werden, die dort befindlichen Wohngebäuden entlang von Arcis-und Gabelsbergerstraße wurden abgerissen. Henriettes leiblicher Bruder, Dr. med. Hermann Berthold Drey, geboren am 29.04.1882 in München, starb im Juni 1918 in einem Feldlazarett in Frankreich. Über das Leben von Henriette Drey wissen wir nur wenig; im „Biographischen Gedenkbuch der Münchner Juden“ erfahren wir über sie nur, dass sie ledig blieb und als Privatiere lebte. Von April 1934 bis Dezember 1938 lebte sie in Solln, Albrecht-Dürer-Straße 1, bevor sie zurück nach München in die Adelheidstraße 32 zog. Ab April 1939 lebte sie im Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße, ab März 1942 in der Klenzestraße 4.

Henriette Drey (Deportationsnr. 462) kam am 26.06.1942 mit Transport II/10 nach Theresienstadt. Von den insgesamt 50 Personen dieser Deportation überlebten sieben die Shoah. Am 19.09.1942 wurde sie mit Transport Bo von Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort nach der Ankunft ermordet.

Laura Dobriner, geb. Drey, (1871-1942), Henriette Drey (1873-1942), Konrad Dobrin (1902-1952), Georg Hermann Dobriner (1903-1992) und Dr. Ernst Darmstaedter (1877-1938) Fritz Heinrich Hermann (1888-1941) bewohnten die Hausnummern 28 und 32 der Arcisstraße auf dem heutigen Gelände des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst; die Hausnummernfolge hat sich seither geändert. Die Platzierung der Stolpersteine für diese sechs Opfer des NS-Terrors in München erinnert nicht nur an die damaligen Verfolgun-gen und Vertreibungen, sondern warnt gleichzeitig vor Antisemitismus, Rassismus, Hass und Ausgrenzung in jetziger Zeit. Auf dem Areal, auf dem sich heute das Staatliche Mu-seum Ägyptischer Kunst befindet, sollte ab 1938 ein Kanzleigebäude der NSDAP errich-tet werden. Hierfür wurden die Besitzer der Wohnhäuser an der Gabelsberger- und Arcis-straße enteignet und die Gebäude abgerissen. An ihrer Stelle war ein fünfstöckiger Bau mit mehreren Trakten und einer Länge von 180 Metern geplant. Als die Bauarbeiten an der Parteikanzlei wegen des Krieges eingestellt wurden, waren lediglich die unterirdi-schen Bunkeranlagen mit vier Meter dicken Wänden aus Stahlbeton fertiggestellt. Zwi-schen 1965 und 1970 wurde das Grundstück mit Institutsgebäuden der Technischen Universität teilweise überbaut. Im Zuge des Neubaus für das Ägyptische Museum und die Hochschule für Fernsehen und Film wurden ab 2007 die Institutsgebäude abgeris-sen und die Bunkeranlagen gesprengt. Im Foyer des Museums weist eine Informationstafel auf die Geschichte des Geländes hin.

Quellen:
Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945
Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“
Arolsen Archives
Institut Terezínské iniciativy