Ilse Jetti Löffler, geb. Homburger

Ilse Jetti Löffler, geb. Homburger
* 15.09.1912 in München, deportiert am 20.11.1941
nach Kaunas, ermordet in Kaunas am 25.11.1941

Seestraße 8, 80802 München
Stolperstein verlegt am 12.11.2018

Biografie

Expedientin, geboren am 15.09.1912 in München, verheiratet, deportiert am 20.11.1941 aus München nach Kaunas, ermordet am 25.11.1941 in Kaunas (05. Kislev 5702)

Eltern

Leopold Homburger, Metzgermeister in München, Bella Homburger, geb. Herzog

Geschwister

Liesel Betty, geboren am 04.02.1910 in Ulm, emigrierte im August 1939 nach London, England
Max, geboren am 14.09.1917 in München
Bernhard, geboren am 14.07.1917 in München, gestorben am 12.04.1921 in München

Ehepartner

Heirat am 20.07.1939 in München mit Alfred (Zwangsname: Denny) Löffler, Kaufmann, geboren am 04.03.1882 in München, gestorben am 25.11.1941 in Kaunas

Adressen in München

  • Seestraße 5 – heute Seestraße 8
  • Paul-Heyse-Straße 55
  • Leopoldstraße 52a (seit 02.04.1941)
  • Mathildenstraße 13 (seit 18.10.1941)

Weitere Informationen

Alfred Löffler war Inhaber eines alteingesessenen Textilwarengeschäfts “Gerstle & Löffler” in der Weinstraße 3; der Betrieb zählte im August 1938 etwa 90 Beschäftigte.

Alfred Löffler und seine Geschäftspartner Adele und Nathan Stern hatten versucht, das Geschäft bereits im Laufe des Jahres 1938 zu verkaufen, nach der Gewaltnacht vom 9. November, in der das Geschäft geplündert und beschädigt worden war, versuchte der Käufer den vereinbarten Preis erheblich zu drücken. Dies gelang ihm auch und es ist fraglich, ob Alfred Löffler und seine Frau Ilse Jetti Löffler von dem Erlös noch etwas erhielten, denn das Geld wurde auf einem Sperrkonto verwahrt und der Eigentümer konnte nicht darüber verfügen.

Alfred Löffler, der sich Denny nennen musste, heiratete 1939 die dreißig Jahre jüngere Ilse Jetti Löffler. Ihr Beruf ist im “Biographischen Gedenkbuch der Münchner Juden” mit “Expedientin” angegeben. Das bedeutet sie war kaufmännische Angestellte, die die Bestellungen und den Warenversand in einer Firma besorgte.

Vermutlich hat sie diese Aufgabe auch in dem Wäschegeschäft übernommen, das Alfred Löffler zusammen mit den unten genannten Geschäftspartnern, Adele und Nathan Stern führte. Vermutlich hatte sie dort gearbeitet, solange der Betrieb noch nicht zwangsenteignet war. In den Akten zur Geschäftsübernahme des jüdischen Betriebs des Gewerbeamts lässt sich feststellen, dass die Industrie- und Handelskammer es für ausgesprochen wünschenswert hielt, diesen Betrieb zu erhalten – weil er “an prominenter Stelle in der Stadt lag, zu den ersten seiner Art am Platze (gehörte) und muss deswegen, und zwar mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des Fremdenverkehrs, als erhaltenswürdig beurteilt werden“.

1941 wohnte das Ehepaar Löffler dann in der Leopoldstraße 52a. Das Haus gehörte ursprünglich einer Jüdin, die in Wiesbaden lebte; nach dem Zwangsverkauf an ein Ehepaar aus Garmisch wurde das Anwesen sogenanntes Judenhaus für anderweitig bereits entmietete Juden verwendet.

Ilse Jetti Löffler und ihr Mann Alfred Löffler wurden am 20.11.1941 nach Kaunas deportiert und dort erschossen. Unter den fast 1000 Deportierten aus München befand sich auch die Mutter von Jetti Löffler, die Witwe Bella Homburger.

Dem Geschäftspartner der Löfflers, Nathan Stern, glückte die Flucht nach England; sein Vermögen wurde eingezogen. Das Haus in der Weinstraße 3 und ein Einfamilienhaus in der Thiereckstraße 3 in unmittelbarer Nähe gehörten der Familie Löffler. Aber seit der Inkraftsetzung der Rassegesetze durften ‘Juden’ keinen Grund-und Hausbesitz mehr haben und mussten ‘verkaufen’ und faktisch jeden Preis akzeptieren.

Es war – wie Götz Aly es nachgewiesen hat -, ein gewaltiger Raubzug, den die Machthaber und ihre Profiteure veranstalteten. In München haben ab 1938 mehrere tausend Grundstücke und Häuser den Besitzer gewechselt. Alle Anwesen, die die NSDAP erworben hatte, fielen nach 1945 an den Freistaat – sofern keine Überlebenden forderten, dass sie ihren Besitz zurückerhalten wollten. Und selbst diese Forderungen mündeten oft in Jahrzehnte währende Gerichtsprozesse, die häufig für die ausgeraubten ehemaligen Münchner sehr bitter endeten.

Quellen:
Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945
Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“
Arolsen Archives
Statistik des Holocaust