Josef Zollner
Josef Zollner
* 16.04.1891 in Grafing,
verhaftet am 12.04.1940, inhaftiert im KZ Dachau, 1945 befreit. Gestorben am 08.03.1977
Welfenstraße 15, 81541 München
Stolperstein verlegt am 23.03.2025
Biografie

Josef Zollner, geboren am 16. April 1891 in Grafing, verheiratet, verhaftet am 12.04.1940, inhaftiert im KZ Dachau bis zur Befreiung 1945
Eltern
Heinrich Zollner, Katharina Zollner, geb. Bergmeier
Ehepartner
Johanna Zollner, geb. Forster, gestorben 1963
1965 Heirat mit Rosa Zollner
Kind(er)
Johanna, geboren am 15.09.1911, ermordet in Hartheim, Österreich
Weitere Informationen
Josef Zollner lernte Modelltischler, und erhielt wegen seiner Begabung ein Stipendium. Er spezialisierte sich dann auf die Kunstschreinerei.
Von 1914 bis 1918 diente er als Soldat.
Er gehörte mit seiner Frau Johanna und seiner gleichnamigen Tochter der katholischen Kirche an. Relativ kurz nach Kriegsbeginn, etwa Anfang 1940, schloss sich Josef Zollner den Zeugen Jehovas an.
Wenige Monate später forderte ihn das Polizeipräsidium München auf, seine Luftschutzpflicht zu erfüllen. Zollner lehnte es ab, eine dazu erforderliche NS-Uniform anzuziehen. Er sagte, er könne sich nicht wie jemand von der SS kleiden. Die Gestapo nahm ihn daraufhin am 12.04.1940 in sog. ´Schutzhaft´. Acht Wochen danach befand er sich ohne Prozess im Konzentrationslager Dachau (ab 07.06.1940).
Am 13. Juli 1940 verurteilte das Sondergericht München Josef Zollner zu drei Monaten Gefängnis. Tatsächlich hielt man ihn noch fast fünf Jahre bis zur Befreiung 1945 im KZ fest, weil er es ablehnte, dem NS-Regime eine Loyalitätserklärung abzugeben.
Im KZ kamen ihm seine Fähigkeiten als Kunstschreiner zugute. Drei Monate nach seiner Einweisung wurde er in das Außenkommando Sudelfeld des KZ Dachau überstellt, wo etwas leichtere Haftbedingungen herrschten. Dort sollten von KZ-Häftlingen Nebengebäude des SS-Bergsportheims errichtet werden. Zollner war für den Bau der Häftlingsbaracken verantwortlich und fertigte für das Sportheim Einbaumöbel und Holzvertäfelungen.
Infolge seiner Jahre im KZ war Josef Zollner bei seiner Befreiung 1945 gesundheitlich sehr geschwächt und mehrere Jahre arbeitsunfähig. Schließlich meldete er seine Münchner Schreinerei wieder an. Später war er als Kunstschreiner unter anderem in bayerischen Schlössern tätig. 1965, zwei Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau Johanna, heiratete er seine zweite Frau Rosa, mit der er bis zu seinem Tod zusammen lebte. Nach 1945 war Josef Zollner weiter in einer Münchner Gemeinde der Zeugen Jehovas aktiv. Er starb am 8. März 1977 mit 85 Jahren.
Seine Tochter Johanna wurde 1940 im Rahmen der sogenannten “Aktion T4” in der “Euthanasie”-Tötungsanstalt Hartheim, Österreich, ermordet. Johanna, die sich nicht den Zeugen Jehovas angeschlossen hatte, wurde 29 Jahre alt.
Quellen: Christoph Wilker: Zollner, Josef (publiziert am 16.01.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/zollner-josef-919 Arolsen Archives - Josef Zollner Foto: Josef Zollner, 1946, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, LEA
