Julius Marx
Julius Marx
* 10.11.1885 in München, deportiert am 20.11.1941
nach Kaunas, ermordet in Kaunas am 25.11.1941
Corneliusstraße 2, 80469 München
Stolperstein noch nicht verlegt
Biografie

Kaufmann, geboren am 10.11.1885 in München, verheiratet, deportiert am 20.11.1941 aus München nach Kaunas, ermordet am 25.11.1941 in Kaunas (05. Kislev 5702)
Eltern
Salomon Marx, Metzgermeister, Schochet in München, Franziska (Fanny), geb. Veith
Geschwister
Adolf, geboren am 08.09.1877 in München, gestorben am 29.03.1953 in München
Ida, geboren am 22.09.1878 in München, gestorben am 12.10.1878 in München
Maier, geboren am 30.03.1880 in München, emigriert in die USA
Josef Hermann, geboren am 30.04.1881 in München, gestorben am 27.08.1881 in München
Mina, geboren am 19.09.1882 in München
Ehepartner
Heirat am 07.03.1932 in München mit Fanny Walter, geboren am 30.12.1896 in Kleinsteinach, Kr. Haßfurt, gestorben am 25.11.1941 in Kaunas
Kind(er)
Lisl Karola, geboren am 20.12.1923 in München
Adressen in München
- Corneliusstraße 2 , bei der Mutter (seit 01.01.1922)
- Maximilianstraße 9 , Marx (seit 08.01.1940)
Weitere Informationen
Julius Marx wurde am 10. 11. 1885 in München als fünftes von sechs Kindern des Metzgermeisters Salomon Marx und seiner Frau Franziska Marx (geb. Veith) geboren. Er besuchte das Gymnasium und nahm am Ersten Weltkrieg als Sanitätsunteroffizier im 1. Reserveregiment teil. In der Corneliusstr. 2 betrieb er die Firma Julius Marx (Groß- und Kleinhandel in Schuhwaren).
Am 7.3.1922 heiratete er in München Fanny Marx (geb. Walter). Die Tochter Lisl Karola, geboren am 20.12.1923, starb am 27.4.1938; die Todesursache ist nicht bekannt.
Kurz nach Lisls Tod wohnte ein Geschäftsfreund beim Ehepaar Marx: Franz Fried, der Großvater von Amelie Fried, die diese Geschichte 70 Jahre später veröffentlichte. Nach seiner Entlassung aus dem KZ kam er für einige Zeit in der in der Corneliusstraße 2 unter.
Nach der Pogromnacht gehörte Julius Marx am 10.11.1938 zu den etwa 1.000 jüdischen Männern aus München, die ins KZ Dachau verschleppt wurden. Seine Häftlingsnummer lautete 19573. Erst am 19.12.1938 wurde er freigelassen, sein Geschäft „arisiert“.
Julius Marx wurde gemeinsam mit seiner Frau am 20.11.1941 mit etwa 1000 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus München vom Güterbahnhof Milbertshofen nach Kaunas deportiert. Es war die erste Massendeportation Münchner Juden; ursprünglich war Riga als Ziel vorgesehen, der Zug wurde aus Kapazitätsgründen umgeleitet. Fünf Tage nach ihrer Ankunft wurden alle diese Deportierten im Fort IX in Kaunas durch das Einsatzkommando 3 unter SS-Standartenführer Karl Jäger erschossen.
Nach dem Tod von Julius‘ Vater Salomon (geb. am 7.1.1846) am 11.04.1910 in München lebte die Mutter Franziska (Fanny, geb. Veith, geb. am 21.01.1852 in Steppach) bis zu ihrem Tod am 20.01.1938 ebenfalls in der Corneliusstraße 2.
Der erstgeborene Bruder von Julius Marx, Adolf Aron Marx, überlebte dank „Mischehe“ die Shoah, er starb am 29. 3. 1953 in München. Die beiden Geschwister Ida (22.09. – 02.10.1878) und Joseph Hermann (30.04.-27.08.1881) verstarben im Säuglingsalter. Maier Marx (geb. am 30.03.1880) gelang die Emigration in die USA. Über das Schicksal von Mina Marx (geb. 19. 9. 1882) ist mir nichts bekannt.
(Text Thomas Nowotny, Lektorat C. Fritsche)
Quellen: Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945, Band 2 (München 2007). Amelie Fried: Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte (Hanser 2008)
Persönliche Mitteilung KZ-Gedenkstätte Dachau „...verzogen, unbekannt wohin“. Die erste Deportation von Münchner Juden im November 1941. Stadtarchiv München 2001 Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ Arolsen Archives
