Kitty Neustätter, geb. Herz

Kitty Neustätter, geb. Herz
* 26.02.1902 in Wien, deportiert am 20.11.1941
nach Kaunas, ermordet in Kaunas am 25.11.1941

Prinzregentenstraße 79, 81675 München
Stolperstein noch nicht verlegt

Biografie

geboren am 26.02.1902 in Wien, Österreich, verheiratet, deportiert am 20.11.1941 aus München nach Kaunas, ermordet am 25.11.1941 in Kaunas (05. Kislev 5702)

Eltern

Otto Herz, Kommerzienrat, Versicherungsdirektor, Olga, geb. Grossmann

Geschwister

Lilli verheiratete Krafft, geboren am 22.01.1910, in Troppau, Schlesien

Ehepartner

Heirat am 15.03.1928 in München mit Rupprecht Felix Neustätter, geboren am 15.08.1900 in München, gestorben am 25.11.1941 in Kaunas

Adressen in München

Zugezogen am 24.02.1918

  • Promenadeplatz 19 (seit 24.02.1918)
  • Possartstraße 10, bei den Eltern (seit 01.09.1920)
  • Äußere Prinzregentenstraße 17 (heute Prinzregentenstraße 83), Eigentum (seit 21.05.1928) (bis 09.08.1939)
  • Friedrich-Herschel-Straße 21 (bis 15.03.1929)
  • Königinstraße 21 (seit 11.09.1939)
  • Knorrstraße 148 – Barackenlager (seit 12.11.1941)

Weitere Informationen

Sie war klein und sehr schlank – ideale Voraussetzungen für ihre Leidenschaft, den Reitsport. Kitty Neustätter kam 1902 als Tochter von Otto und Olga Herz, geborene Großmann, in Wien zur Welt. Nach dem Tod ihrer Mutter zog Kitty 1909 mit ihrem Vater und dessen zweiter Ehefrau Berta ins schlesische Troppau (heute Opava). 1920 siedelte die Familie nach München über. Hier legte Kitty Herz ihr Abitur ab und begann Nationalökonomie zu studieren. Kurz vor dem Abschluss brach sie ihr Studium ab, um ihren Vater, inzwischen Direktor bei der Phönix-Lebensversicherung, als Assistentin zu unterstützen.

Am 15. März 1928 heiratete Kitty Herz Rupprecht Neustätter. Er war Prokurist in der Papierfabrik seiner Familie. Das Paar zog in die Äußere Prinzregentenstraße 17 (heute Prinzregentenstraße 83). In ihrer Freizeit nahm Kitty Neustätter an Pferderennen und Turnieren teil und lernte dabei die Turnierreiterin Friedel Lahs kennen. Die beiden Frauen wurden enge Freundinnen, und Kitty Neustätter war oft ins Friedel Lahs’ Landhaus bei St. Heinrich am Starnberger See. Zahllose von ihrem Mann aufgenommene Fotos zeigen Kitty Neustätter hoch zu Ross oder auf dem Pferdehof.

Mit Beginn der NS-Herrschaft änderte sich das Leben von Kitty Neustätters jüdischer Familie grundlegend. Im März 1933 drangen SS-Männer gewaltsam in die Wohnung ihres Vaters ein. Im Mai 1938 musste die Familie ihres Mannes die Papierfabrik verkaufen. Im Zuge der „Kristallnacht“ am 9. November 1938 wurde Rupprecht Neustätter im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Kitty und Rupprecht Neustätter bemühten sich um eine Emigration nach Australien. Doch die Genehmigung zur Einreise ließ auf sich warten. Wohl ab August 1941 musste Kitty Neustätter Zwangsarbeit in der Flachsröste Lohhof leisten. Am 20. November 1941 deportierte die Gestapo Kitty und Rupprecht Neustätter nach Kaunas in Litauen. Angehörige eines SS-Sonderkommandos erschossen sie am Morgen des 25. November 1941.

Text Ingrid Reuther, Lektorat C. Fritsche

Quellen:
Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945
Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“
Arolsen Archives
Statistik des Holocaust