Lina Triest, geb. Westheimer
Lina Triest, geb. Westheimer
* 08.01.1899 in Karlsruhe, deportiert am 19.08.1942
aus Drancy (Lager) nach Auschwitz, ermordet in Auschwitz
Reitmorstraße 53, 80538 München
Stolperstein verlegt am 10.06.2021
Biografie

geboren am 08.01.1899 in Karlsruhe, verheiratet, emigriert am 08.09.1939, LU, emigriert nach Marseille, FR, deportiert am 19.08.1942 aus Drancy (Lager) nach Auschwitz, ermordet in Auschwitz (06. Elul 5702)
Eltern
Isidor Westheimer, Kaufmann in München, Rosa Westheimer, geb. Rosenthal
Geschwister
Hedwig Brandeis, geboren am 22.03.1897 in Karlsruhe, emigrierte im März 1936 nach Jerusalem
Kurt Westheimer, geboren am 25.03.1905 in München, emigrierte nach Louisiana, gestorben im Juli 1978 in Southfield, Michigan
Ehepartner
Heirat am 20.04.1922 in München mit Berthold Triest, Wäschefabrikant, geboren am 08.01.1886 in Bamberg
Kinder
Hans Heinz, geboren am 29.03.1923 in München
Margot Ellen, geboren am 19.04.1929 in München
Adressen in München
Zugezogen am 02.07.1902
- Reitmorstraße 53 (seit 12.05.1925)
Weitere Informationen
Lina Triest wurde am 8. Januar 1899 in Karlsruhe als zweites Kind der Kaufmannsfamilie Westheimer geboren, doch zog sie bereits im Alter von drei Jahren mit den Eltern und dem älteren Bruder nach München. Dort besuchte sie die Höhere Mädchenschule und die Frauenschule und belegte Volkskurse im Zuschneiden.
Im April 1922 heiratete sie den 13 Jahre älteren Wäschefab-rikanten Berthold Triest. Schon im Jahr darauf kam das erste Kind, Hans Heinz, zur Welt. Seit Mai 1925 wohnte die Familie in der Reitmorstraße 53 und bekam 1929 noch ein zweites Kind, Margot Ellen. 1939 kam nahmen die vier für wenige Wochen Bertholds 89jährigen Vater Moritz Triest bei sich auf, der seit dem Tod seiner Frau bei seiner einzigen Tochter Sophie gewohnt hatte.
Nach dem Umzug des alten Vaters in das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße im September 1939 flohen Lina und Berthold Triest über Luxemburg nach Marseille. Im Lager Les Milles wurden die beiden interniert und vom Durchgangslager Drancy am 19.08.1942 mit dem 21. Konvoi nach Auschwitz deportiert. Der Transport umfasste 1000 Menschen. Noch an der Rampe wurde selektiert, 817 Personen wurden unmittelbar von der Rampe in die Gaskammern geschickt und ermordet. Nur 45 Frauen und 138 Männer wurden mit einer Häftlingsnummer registriert und ins Lager aufgenommen. Berthold und Lina Triest gehör-ten nicht dazu, seit diesem Tage gelten sie als “verschollen”. Sie wurden vermutlich an diesem oder einem der darauffolgenden Tage in den Gaskammern ermordet. BS: Als Todestag ist aber der 21.08.1942 anzunehmen, da die Deportationszüge von Drancy nach Auschwitz in der Regel zwei Tage unterwegs waren.
Auch die beiden Kinder von Lina und Berthold Triest waren in Les Milles interniert worden, doch konnten sie durch das Kinderhilfswerk OSE in einem Kinderheim versteckt werden. Im Frühjahr 1940 gelang dem damals 17jährigen Heinz = Howard die Flucht nach New York, später lebte er in Florida. Seine Schwester Margot konnte 1943 von Fluchthelfern in die Schweiz in Sicherheit gebracht werden; sie ging später ebenfalls nach New York.
Ihre verwitwete Mutter war Theresienstdt-Überlebende.
Im Gedenken an alle Mitglieder der Familie Triest, die zeitweilig in der Reitmorstraße 53 lebten – Berthold und Lina Triest mit den Kindern Heinz und Margot und dem verwitweten Großvater Moritz Triest – wurden am 10. Juni 2021 Stolpersteine in die Schwelle der Eingangstüre eingebettet.
Quellen: Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ Arolsen Archives
