Lina Triest, geb. Westheimer

Lina Triest, geb. Westheimer
* 19.04.1929 in Karlsruhe, deportiert am 19.08.1942
unbekannt

Reitmorstraße 53, München
Stolperstein verlegt am 10.06.2021

Biografie

Lina Triest wurde am 8. Januar 1899 in Karlsruhe als zweites Kind der Kaufmannsfamilie West-heimer geboren, doch zog sie bereits im Alter von drei Jahren mit den Eltern und dem älteren Bruder nach München. Dort besuchte sie die Höhere Mädchenschule und die Frauenschule und belegte Volkskurse im Zuschneiden. Im April 1922 heiratete sie den 13 Jahre älteren Wäschefab-rikanten Berthold Triest. Schon im Jahr darauf kam das erste Kind, Hans Heinz, zur Welt. Seit Mai 1925 wohnte die Familie in der Reitmorstraße 53 und bekam 1929 noch ein zweites Kind, Margot Ellen. 1939 kam nahmen die vier für wenige Wochen Bertholds 89jährigen Vater Moritz Triest bei sich auf, der seit dem Tod seiner Frau bei seiner einzigen Tochter Sophie gewohnt hatte. Nach dem Umzug des alten Vaters in das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße im September 1939 flohen Lina und Berthold Triest über Luxemburg nach Marseille. Im Lager Les Milles wurden die beiden interniert und vom Durchgangslager Drancy am 19.08.1942 mit dem 21. Konvoi nach Auschwitz deportiert. Der Transport umfasste 1000 Menschen. Noch an der Rampe wurde selektiert, 817 Personen wurden unmittelbar von der Rampe in die Gaskammern geschickt und ermordet. Nur 45 Frauen und 138 Männer wurden mit einer Häftlingsnummer registriert und ins Lager aufgenommen. Berthold und Lina Triest gehör-ten nicht dazu, seit diesem Tage gelten sie als „verschollen“. Sie wurden vermutlich an diesem oder einem der darauffolgenden Tage in den Gaskammern ermordet. Auch die beiden Kinder von Lina und Berthold Triest waren in Les Milles interniert worden, doch konnten sie durch das Kinderhilfswerk OSE in einem Kinderheim versteckt werden. Im Frühjahr 1940 gelang dem da-mals 17jährigen Heinz = Howard die Flucht nach New York, später lebte er in Florida. Seine Schwester Margot konnte 1943 von Fluchthelfern in die Schweiz in Sicherheit gebracht werden; sie ging später ebenfalls nach New York. Im Gedenken an alle Mitglieder der Familie Triest, die zeitweilig in der Reitmorstraße 53 lebten – Berthold und Lina Triest mit den Kindern Heinz und Margot und dem verwitweten Großvater Moritz Triest – wurden am 10. Juni 2021 Stolpersteine in die Schwelle der Eingangstüre eingebettet.