Max Michels

Max Michels
* 20.04.1925 in Maldewin, Kr. Regenwalde, deportiert am 29.07.1942
ermordet in Auschwitz am 18.10.1944

Seestraße 8, München
Stolperstein verlegt am 12.11.2018

Biografie

* 03.01.1880 in Maldewin, Kr. Regenwalde deportiert am 29.07.1942
ermordet in Auschwitz am 18.10.1944
Seestraße 8

Stolperstein verlegt am 12.11.2018

Mit einem Stolperstein gedenken wir vor dem Haus Seestraße 8 nahe dem Englischen Garten an Max Michels. Die Anfertigung eines Stolpersteins wurde angeregt von Angelika Michels Rooney, die zur Verlegung des Gedenksteins am 12. November 2018 eigens aus Kalifornien anreiste und folgende Rede hielt:

Ich bin das einzige Enkelkind von Max Michels, der hier in diesem Haus lebte und dem wir heute gedenken. Max wurde 1880 in Maldewin, Kreis Regenwalde in Pommern, in eine große jüdische Familie geboren. Er war zwar der zweit-älteste Sohn, aber er war in Länge gemessen mit seinen 1,83 m der größte. Aus den Erzählungen meines Vaters und seinen noch lebenden Cousins hörte ich, dass er in allen Belangen ein großartiger Mann war: großzügig, großherzig und sehr heiter – zumindest bis kurz vor seinen letzten Lebensjahren.

Selbst der Ort Maldewin aus dem er und seine Familie stammte war ungewöhnlich. Es war kein jüdisches „shtetel“, sondern ein kleines Dorf das einem lokalen Nobelmann gehörte. Bereits Generationen zuvor hatten seine Vorfahren einige jüdische Familien eingeladen dort zu wohnen, um typisch jüdische Gewerbe zu betreiben. Meine Vorfahren führten in Maldewin das Lebensmittelgeschäft. Konsequenterweise erlernte Max das Kaufmannsgeschäft von der Pike auf – er war der geborene Geschäftsmann.

Wie fast alle seine Geschwister verließ er Maldewin als junger Mann. Er ging nach Berlin, um bei Herman Tietz, einem großen Kaufhaus in er Leipziger Straße zu arbeiten. 1912 entschied er sich nach München zu gehen. Einer Stadt, die zu dieser Zeit ein starker Anziehungspunkt für junge, ambitionierte Menschen war und in der sich gleichzeitig eine wachsende Kunstszene entwickelte – fast so berühmt wie Paris. Max verliebte sich in die Stadt München und in eine junge Frau namens Anna, die gleichermaßen ambitioniert und ungewöhnlich war wie er. Sie sollte meine Großmutter werden.

Anna kam aus dem österreichischen Innsbruck und entstammte einer traditionellen katholischen Familie der Mittelklasse. Ihr Vater war Schuhmachermeister mit eigenem Geschäft und mehreren Angestellten. Die Familie besaß ein Eigenheim (das Haus steht heute noch) was in diesen Zeiten nicht alltäglich war. Ich gehe davon aus, dass Anna das jüngste von vielen Kindern war. Sie war ein Wildfang und – milde ausgedrückt – äußerst unkonventionell! Im Alter von sechzehn Jahren verließ sie ihren Heimatort um nach München zu gehen – es gab kein Zurück. Bald schon tauchte sie in die Münchener Kunstszene ein. Wie sich meine Großeltern trafen entzieht sich meiner Kenntnis, aber getroffen haben sie sich, das steht fest. 1914 haben sie geheiratet, vermutlich kurz bevor Max in den Ersten Weltkrieg eingezogen wurde. Reservist war er bereits vorher.

Während des Krieges diente er als Kommandant im Bayerischen Infanterie Regiment in Belgien und Frankreich. 1916 – ich glaube es war in Verdun – wurde er schwer verwundet, kam als Invalide zurück nach Bayern und diente weiter „hinter den Linien“. Für seinen beispielhaften Einsatz erhielt er zwei Eiserne Kreuze und eine Reihe von anderen Medaillen und uszeichnungen, die ich besitze. Er kam als Held nach Hause zurück.

Nach dem Krieg setzten meine Großeltern ihre Fähigkeiten und Kontakte gewinnbringend ein: meine Großmutter ihre Beziehungen zur Münchener Kunstszene und mein Großvater seinen Geschäftssinn. Sie starteten mit einer Kunstgalerie am Karolinenplatz, der Max Michels Galerie. Später erwarben sie die bereits existierende Georg Stuffler-Galerie, die im Park Hotel am Maximiliansplatz untergebracht war. Bilder von bekannten Malern wie von Stuck und von Defregger waren Gegenstand ihres Handels. Interessanterweise bildete ein Stuck-Gemälde das in den 30iger Jahren verkauft wurde, den Grundstein des ersten Museums für Deutsche Kunst in den USA, dem Frye Art Museum in Seattle, Washington.

Ich glaube,