Rosa Bechhöfer
Rosa Bechhöfer
* 07.07.1898 in Bechhofen, deportiert am 13.03.1943
nach Auschwitz, ermordet in Auschwitz
Leopoldstraße 52a, 80802 München
Stolperstein verlegt am 12.11.2018
Biografie

Hausangestellte, geboren am 07.07.1898 in Bechhofen, ledig, deportiert am 13.03.1943 aus München nach Auschwitz, ermordet in Auschwitz
Eltern
Gabriel Bechhöfer, Sarah (Ursula), geb. Liebenstein
Geschwister
Hermann, geboren am 20.02.1884 in Bechhofen
Frieda verheiratete Behr, geboren am 31.12.1889 in Bechhofen
Isaak, geboren am 03.01.1892 in Bechhofen, gestorben am 31.07.1974 in New York
Ida verheiratete Kaufmann, geboren am 05.06.1893 in Bechhofen
Betty, geboren am 02.06.1900 in Bechhofen
Klara verheiratete Kirschbaum, geboren am 05.12.1894 in Bechhofen
Bernhard, geboren am 02.11.1888 in Bechhofen
Hanna verheiratete Loewi, geboren am 04.03.1897
Justin, geboren am 26.04.1886
Lina verheiratete Wild, geboren am 28.06.1887
Nathan, geboren am 15.03.1885, gestorben am 02.10.1889
Sophie verheiratete Popowski, geboren am 28.02.1883 in Bechhofen
Kinder
Lotte, geboren am 17.05.1936 in München
Susi, geboren am 17.05.1936 in München
Adressen in München
Zugezogen am 26.02.1935 von Fürth
- Leopoldstraße 52a (seit 07.04.1941)
- Knorrstraße 148 – Barackenlager (seit 17.10.1941)
- Clemens-August-Straße 9 – Sammellager in Berg am Laim (seit 10.11.1941)
- Knorrstraße 148 – Barackenlager (seit 01.04.1942)
- Clemens-August-Straße 9 – Sammellager in Berg am Laim (seit 06.04.1942)
Weitere Informationen
Mit drei Stolpersteinen in der Leopoldstraße 52a erinnern wir an
Rosa Bechhöfer und ihre Zwillingstöchter Lotte und Susi.
Rosa Bechhöfer wurde am 7. Juli 1898 im fränkischen Bechhofen geboren, als zwölftes von dreizehn Kindern des Ehepaares Sara und Gabriel Bechhöfer. Rosas Eltern starben, als sie sechs Jahre alt war. Mit ihrer jüngeren Schwester Betty wuchs Rosa im Fürther Waisenhaus auf. Im Schuhgeschäft ihrer älteren Schwester Frieda in Fürth arbeitete sie mit, sobald sie alt genug dafür war.
Im Frühjahr 1935 zog Rosa nach München und suchte sich eine Arbeit als Hausangestellte bei einer jüdischen Familie, die jedoch bald darauf nach Amerika emigrierte. Diese Erfahrung musste sie mehrfach machen, dass die jüdischen Familien, bei denen sie überhaupt noch eine Anstellung finden konnte, emigrierten, wenn sich die Möglichkeit noch ergab.
Am 17.Mai 1936 brachte Rosa im jüdischen Krankenhaus in München ihre Zwillingstöchter Lotte und Susi zur Welt. Der Vater ihrer Kinder hatte sie zu Beginn der Schwangerschaft verlassen, weil er offenbar einer Anklage wegen „Rassenschande“ entgehen wollte. Finanzielle Unterstützung erhielt sie in dieser schweren Zeit von ihrer Schwester Frieda. Die Zwillinge blieben zunächst in der Klinik, ab September 1936 wurde das jüdische Kinderheim in der Antonienstraße in Schwabing ihr Zuhause.
Am 16.Mai 1939 wurden Lotte und Susi mit einem lebensrettenden Kindertransport nach England gebracht. Während der Reise wurden sie drei Jahre alt. In London, in der Liverpool Street Station, wurden sie, obwohl die Mutter noch in München lebte, vom Ehepaar Edward and Irene Mann adoptiert, ihre jüdische Herkunft wurde ihnen verschwiegen. Edward Mann war zur Zeit der Adoption baptistischer Reverend in Cardiff. Er ließ die Mädchen taufen, Lotte erhielt den Namen Eunice Mary, Susi wurde Grace Elizabeth. Lotte Bechhöfer starb jung an den Folgen eines Gehirntumors. Susi wurde Opfer ihres Adoptivvaters, der sie jahrelang sexuell missbrauchte. Im Dezember 1966 heiratete sie Alan Stocken, im Jahr darauf wurde ihr Sohn Frederick geboren. 1996 erschien ihr Buch “Rosa’s Child. The True Story of One Woman’s Quest for a Lost Mother and a Vanished Past”, das sie mit Jeremy Josephs verfasste. 2016 erschien ihr zweites Buch mit dem Titel “Rosa”. Susis Geschichte wurde auch von W. G. Sebald in seinem Roman “Austerlitz” verwendet.
Rosa Bechhöfer, die in den Jahren 1935 bis 1940 sieben verschiedene Arbeitsstellen hatte, war zuletzt in der Leopoldstraße 52a bei einer Familie namens Bacher untergekommen, bis sie 1941 von der Gestapo abgeholt und in das „Judenlager“ in Milbertshofen gebracht wurde. Im Frühjahr 1942 sollte sie deportiert werden, wegen einer Brustkrebserkrankung war sie aber vorher in das jüdische Krankenhaus eingeliefert worden. Am 13. März 1943 wurde sie aus der sogenannten „Heimanlage für Juden“, dem Sammellager im Kloster in Berg am Laim, herausgeholt, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Mit ihr zusammen deportiert wurden aus dem jüdischen Kinderheim in der Antonienstraße die dort noch verbliebenen zwölf Kinder mit ihren drei Beschützerinnen Alice Bendix, Hedwig Jacobi und Anne Renner. Rosa Bechhöfers Töchter Lotte und Susi entgingen diesem Schicksal, weil mutige und entschlossene jüdische Hilfskomitees in England zehntausend Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei, zehntausend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten retteten. Auch die Leiterin des Antonienheims, Alice Bendix und ihre Mitarbeiterinnen hatten selbstlos versucht, so viele Kinder wie nur möglich auf diesem Weg in Sicherheit zu bringen.
Quellen: Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ Arolsen Archives Statistik des Holocaust
