Sigmund Fleischer
Sigmund Fleischer
* 24.12.1889 in Lemberg, Galizien,
ermordet in Polen
Keuslinstraße 4, 80798 München
Stolperstein verlegt am 12.11.2018
Biografie
Sigmund Shlomo Fleischer
Kaufmann, geboren am 24.12.1889 in Lemberg, Galizien (Lwiw, Galizien), verheiratet, emigriert am 05.01.1939 nach Bielsko, PL, ermordet in Polen
Eltern
Moshe Israel Fleischer, Kaufmann in Lemberg, Rosa Raicha Fleischer in Lemberg
Geschwister
Berta Wilma Stramer, geboren 20.06.1892 Lemberg, ermordet in Polen
Ehepartner
Heirat am 01.12.1921 in München mit Gisela Kandel, geboren am 11.04.1894 in Wien. Die Ehe wurde am 14.07.1932 geschieden.
Heirat am 25.05.1936 in München mit Klara Fleischer, geb. Scherzer, geboren am 22.02.1903 in Czernowitz, Bukowina (Tscherniwzi, Ukraine).
Adressen in München
Zugezogen am 10.06.1911 von Lemberg
- Tengstraße 4 (seit 31.12.1925)
- Keuslinstraße 2 (seit 05.04.1932)
Weitere Informationen
In der Keuslinstraße 4 wird mit einem Stolperstein an einen Menschen erinnert, der am 24. Dezember 1889 in Lemberg / Galizien als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren wurde: Sigmund Fleischer. Als junger Mann kam er im Juni 1911 nach München. Im April 1932 machte er in der Keuslinstraße 2 eine Großhandlung für Andenkenartikel, Postkarten und Textilien auf – im selben Haus, in dem er auch wohnte.
Im Mai 1936 heiratete Sigmund Fleischer die 14 Jahre jüngere Klara Scherzer, geboren am 22. Februar 1903. Klara stammte aus Czernowitz, der Stadt in der Bukowina, in der auch die beiden Lyriker Rose Ausländer (1901 – 1988) und Paul Celan (1920 – 1970) auf die Welt kamen.
Noch bis in den Winter 1938 versuchten Sigmund und Klara Fleischer, nach Amerika zu emigrieren, vergeblich. Als es Sigmund unmöglich gemacht wurde, sein Geschäft fortzuführen, floh das Paar am 5. Januar 1939 nach Polen, nach Bielsko=Bielitz, ein Ort 25 km südlich von Oswiecim=Auschwitz.
Im Frühjahr 1939 zogen die beiden weiter nach Tarnów, 130 km östlich von Auschwitz. Danach verlieren sich ihre Spuren. Ein überlebender Neffe Sigmund Fleischers, Zwi Stramer aus Haifa, erklärte für eine „Page of Testimony“ in Yad Vashem, dass seine Mutter, Berta Stramer, geborene Fleischer (geb. 20.06.1892 in Lemberg) und sein Onkel Sigmund Fleischer, der Bruder seiner Mutter, in einem deutschen Vernichtungslager in Polen ermordet wurden.
Als Sigmund Fleischer im April 1932 in der Keuslinstraße 2 einzog, wohnten im Nachbarhaus Nummer 4 schon seit 1909 der Theaterdirektor Benno Bing und seine Familie. Für Benno Bing wurde, ebenso wie für Sigmund Fleischer, am 12. November 2018 ein Stolperstein verlegt.
Quellen: Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“
