Sofie Gutmann, geb. Marx
Sofie Gutmann, geb. Marx
* 16.05.1878 in Heilbronn, deportiert am 23.06.1942
nach Theresienstadt, ermordet in Theresienstadt am 11.10.1944
Lindwurmstraße 205, 80337 München
Stolperstein verlegt am 18.04.2013
Biografie

Kauffrau, geboren am 16.05.1878 in Heilbronn, verheiratet, deportiert am 23.06.1942 aus München nach Theresienstadt, ermordet am 11.10.1944 in Theresienstadt (24. tishri 5705)
Eltern
Elias Emil Marx, Metzger und Darmgroßhändler in Heilbronn, Fanny, geb. Ottenheimer
Geschwister
Moses, geboren am 06.01.1871, gestorben 1884 in Heilbronn
Carola Mayer, geboren am 27.06.1872 in Heilbronn
Louis, geboren am 08.09.1873 in Heilbronn, emigrierte in die Niederlande, lebte dort in Roermond, deportiert, ermordet am 23.07.1943 in Sobibor
Therese Klugmann, geboren am 16.09.1874 in Heilbronn, emigrierte im Juni 1939 von München nach Richmond, Virginia, dort gestorben am 01.07.1966
Pauline Strauss, geboren am 20.10.1876 in Heilbronn
Rosa Neumann, geboren am 04.06.1882 in Heilbronn, emigrierte im April 1936 von München nach Palästina
Benedikt, geboren am 15.09.1883 in Heilbronn, emigrierte 1939 von Heilbronn nach Palästina, remigrierte, gestorben 29.08.1968 in Heilbronn
Ehepartner
Heirat am 19.11.1901 in Heilbronn mit Emanuel Gutmann, geboren am 29.12.1873 in Gemmingen, gestorben am 24.10.1943 in Theresienstadt
Adressen in München
Zugezogen am 01.01.1901
- Südliche Auffahrtsallee 11 (seit 16.11.1927)
- Tengstraße 25 (seit 12.08.1931)
- Elisabethstraße 30 (seit 31.03.1936)
- Kaulbachstraße 65 (seit 17.09.1941)
- Knorrstraße 148 – Barackenlager (seit 16.03.1942)
Weitere Informationen
Sofie Marx zieht 1901 im Alter von 23 Jahren aus Heilbronn nach München; Emanuel Gutmann kommt am 1893 mit 20 Jahren aus Memmingen hierher. 1905 heiraten die beiden, fünf Jahre später kaufen sie – ausgestattet mit Münchner Heimat- und Bürgerrechten – das Anwesen in der Lindwurmstraße 205 und eröffneten im Mai 1912 ihr Kaufhaus Gutmann, mit „Kurz- Weiß- und Wollwaren“. Sofie ist damals 34, Emanuel 39 Jahre alt.
Aus der Zeit des 1. Weltkrieges und der Räterepublik gibt es keine Informationen zu Sofie und Emanuel Gutmann. Für 1927 verzeichnet das ´Biographische Gedenkbuch der Münchner Juden´ erstmals eine Wohnadresse in Nymphenburg an der südlichen Auffahrtsallee 11, ab 1931 lebt das Ehepaar in der Tengstraße 25.
Am 30. Januar 1933 schlägt mit der Machtübergabe an die Nazis die Zeitgeschichte zu; noch im selben Jahr kommt es zur Errichtung des KZ Dachau, es folgt der reichsweite Boykott gegen jüdische Kaufleute, Ärzte und Anwälte, dann das Gewerkschaftsverbot und die Bücherverbrennung am Königsplatz. Ab September 1933 gibt es keine jüdischen Händler mehr auf dem Oktoberfest.
1934 findet der vermutlich erzwungene “Verkauf“ des Kaufhaus Gutmann an Helferich statt. Die genaueren Umstände sind noch nicht abschließend recherchiert. 1935 wird mit den “Nürnberger Gesetzen“ und ihren Verordnungen die umfassende Grundlage für Ausgrenzung, Entwürdigung, Diskriminierung, Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Mord gelegt.
Ab März 1936 leben die Gutmanns in der Elisabethstraße 30. Wenige Monate später tagt der Reichsparteitag mit einer Kampfansage an Juden und Weltjudentum und der Forderung nach verstärkten wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Juden und dem Endziel der restlosen Auswanderung. 1937 weist der Münchner NSdAP-Bürgermeister Fiehler bereits Monate vor der entsprechenden Reichsregelung das Münchner Gewerbeamt an, Listen über jüdische Betriebe anzufertigen, die dann im Jahr darauf als für die sogenannte „Reichskristallnacht“ benutzt werden.
Bereits im Juni 1938 wird die Hauptsynagoge hinterm Künstlerhaus an der Herzog-Max-Straße auf Befehl von Adolf Hitler zerstört.
Ab August 1938 muss Sofie Gutmann den Vornamen Sarah und Emanuel Gutmann den Vornamen Israel beantragen, am 5. Oktober 1938 werden ihre Pässe eingezogen und in der Neuausstellung mit “J“ für Jude gekennzeichnet.
Die Nacht vom 9. zum 10. November 1938 geht als sogenannte “Reichskristallnacht“ in die Geschichte ein. Wie viele weitere jüdische Bürger wird auch Emanuel Gutmann verhaftet, ins KZ Dachau verschleppt und erst unter Erpressung, nach seinem Geschäft auch das Gebäude abzugeben, wieder freigelassen. Er kommt – laut eidesstattlicher Erklärung im Rahmen des sogenannten Wiedergutmachungsverfahrens – sterbenskrank aus Dachau zurück nach Hause.
Januar 1939: Zwangsschließung jüdischer Betriebe und Aufhebung des Mieterschutzes für Juden. Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September1939 beginnt der zweite Weltkrieg.
März 1941: Baubeginn der Judensiedlung Milbertshofen an der Knorrstraße als Arbeits- und Sammellager für die bevorstehenden Deportationen; 1941: Gründung des KZ Theresienstadt.
Im September 1941 werden Sofie & Emanuel Gutmann aus ihrer Wohnung in der Elisabethstraße 30 vertrieben und zwangsweise in das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße 65 eingewiesen. Sofie ist damals 63, Emanuel 68 Jahre alt. Ab 15. September müssen sie den Judenstern tragen.
März 1942: Sofie & Emanuel Gutmann werden aus dem Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in das Sammellager nach Milbertshofen an der Knorrstraße 148 deportiert. Im Juni 1942 haben Juden “alle entbehrliche Kleidungsstücke abzugeben“.
Am 23. Juni 1942 werden Sofie & Emanuel Gutmann in das KZ Theresienstadt deportiert. Emanuel Gutmann wurde im Oktober 1943, im Alter von 70 Jahren, ermordet; seine Ehefrau Sofie Gutmann starb dort am 11. Oktober 1944.
Quellen: Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945 Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ Arolsen Archives Statistik des Holocaust Institut Terezínské iniciativy
