Familie Gern, Cäsilie Kuh, Therese Hughes, Schweigerstraße 2

Diese Stolpersteine werden am 15. Juli in der Schweigerstraße 2 verlegt

Sieben neue Stolpersteine in der Schweigerstraße 2

Sechs neue Stolpersteine glänzen ab Mittwoch in der Sonne vor der Schweigerstraße 2. Sie erinnern an Artur, Elisabeth, Ernst, Helmuth und Günter Gern sowie Therese Hughes und Cäcilie Kuh.

In dieser Straße haben wahrscheinlich in jedem Haus Juden gewohnt – ebenso wie in der benachbarten Eduard- Schmid-Straße, die damals noch “Frühlingsstraße” hieß.

Familie Gern

Dr. jur. Artur Gern wurde am 27. Februar 1884 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Er heiratete Elisabeth Ehrlich, geboren am 29. Dezember 1894 in Kaiserslautern. Das Ehepaar hatte drei Söhne, die alle in München geboren sind:

  • Ernst Dietrich, geboren am 06. Februar 1916
  • Helmuth, geboren am 23. Januar 1917
  • Günter Karl Heinz, geboren am 14. November 1918

Seit dem 1. April 1915 wohnte die Familie Gern in der Schweigerstraße 2.

Artur Gern besuchte das Humanistische Gymnasium und studierte dann an den Universitäten in München und Berlin Jura. Er promovierte 1907 an der Uni Erlangen und absolvierte die Staatsprüfung.

Im Ersten Weltkrieg war er Leutnant der Reserve.

Als Anwalt in München zugelassen wurde er 1910. In Sozietät mit Thomas Stern unterhielt er in der Reichenbachstraße 1/II eine Kanzlei und war spezialisiert auf Grundbuchrecht. Anfang 1934 verlegte er seine Anwaltskanzlei in die Hartmannstraße 8/II.

Artur Gern und seine Ehefrau Elisabeth waren vom 22.Januar 1940 bis zum 20. November 1941 Heimleiter des Israelitischen Lehrlingsheimes in der Hohenzollernstraße 4.

Am 20. November 1941 wurden Artur und Elisabeth Gern mit 996 anderen Juden aus München von Milbertshofen nach Kaunas in Litauen deportiert. Dort wurden sie am 25.November 1941 ermordet.

Der Sohn Ernst Dietrich (genannt Dieter) war Chemiker. Er emigrierte im April 1935 in die Schweiz und überlebte. Die Söhne Helmut und Günter waren zuletzt im Umschulungs- und Einsatzlager am Grünen Weg in Paderborn. Sie wurden am 01. März 1943 von Paderborn nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Therese Hughes

Therese Leitner war eine Pianistin und Musiklehrerin. Sie wurde am 23. Januar 1872 in Wien geboren.  Mit ihrem ersten Ehemann, Dr. Hugo Schiffler, einem bekannten Pianisten hatte sie eine Tochter, Hedwig, geboren am 11. September 1899 in Wien. Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete sie Edwin Hughes, einen Musikprofessor, von dem sie sich später scheiden ließ.  Therese Hughes wohnte mehr als 30 Jahre in der Schweigerstraße 2. Sie verstarb am 17.April 1944. Ursache unbekannt. Tochter Hedwig Geimer wurde am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie ermordet wurde.

Cäcilie Kuh

Cäcilie Goldscheider wurde am 29. April 1866 in Blowitz im heutigen Tschechien geboren. Nach dem Tod ihres Ehemanns Karl Kuh in Wien, zog sie 1914 zu ihrer Tochter Anna (geboren am 29. Mai 1889 in Wien) und deren Mann Wilhelm Prandtl nach München – in die Schweigerstraße 2. Anna wurde deportiert, hat aber den Holocaust überlebt. Sie wird noch einen Stolperstein bekommen. Cäcilie wurde am 25. Juni 1942 aus München nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 29. September 1942 ermordet wurde.

Heute gehört das Haus in der Schweigertraße 2 Claus Girnhuber. Ihn hat das Schicksal der früheren Bewohner sehr bewegt, so dass er nicht nur in die Verlegung eingewilligt hat, sondern sogar einige der Stolpersteine spendete.

 

 

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