
Alfred Weil

Max Grossmann
Sechs Menschen aus Giesing, die nicht vergessen sind
Am 18.Septbember gab es gleich an vier Orten Verlegungen von insgesamt 6 Stolpersteinen.
Alle Opfer lebten in Wohnungen, die dem Bauverein Giesing gehören. Diese Genossenschaft hatte uns zugesagt, dass wir für alle Opfer, die in ihren Häusern gewohnt haben, Stolpersteine auf den Grundstücken verlegen dürfen.
Die Biografien hat der Historiker Herbert Dandl zusammengestellt.
Nachzulesen sind sie auch in seinem Buch “Jeder Mensch hat einen Namen: Gedenkbuch für die Opfer der Shoa aus Giesing und Harlaching 1933-1945″.
Hier ein Überblick über die Menschen, an die mit den neuen Stolpersteinen erinnert wird:
St. Martin-Straße 12a
Hier lebten Julius und Maria Gerstle.
Julius Gerstle begann nach dem Gymnasium an der Universität in München ein Studiuman der Universität in München, das er vermutlich nicht zu Ende führte. Danach war er als Handeslvertreter tätig.
Als Mitglied des TSV 1860 München war er Anfang der 1920er Jahre einer der besten deutschen Sprinter. Bei den süddeutschen Leichtathletikmeisterschaften 1921 in München siegte Julius Gerstle über 100 Meter in 10.9 Sekunden.
Ende April 1933 bezog das Ehepaar Gerstle eine Wohnung der St.-Martin-Straße 12a in Giesing. […] Julius und Maria Gerstle konnten am 31. August 1938 ausreisen und sind am 11.September 1938 an Bord des Passagierschiffes „Georgic“ in New York eingetroffen. Danach lebten sie überwiegend in Florida.
1964 kehrten die Gerstles nach München zurück und ließen sich wieder in Giesing im Viertel um die St.-Martin-Straße nieder. Zuletzt zogen sie um eine Senioren-Residenz nahe beim Sechzger Stadion in der Gründwalder Straße 14, wo Julius Gerstle 1981 seinen 85. Geburtstag feiern konnte.
Der Münchner Stadtanzeiger hat ihm in seiner Ausgabe vom 30.Januar 1981 einen kleinen Geburtstagsartikel gewidmet. Darin werden seine sprotlichen Erfolge und sein 27-jähriger Aufenthalt in Florida geschildert, wo er sich als Hotelmanager durchgeschlagen habe. Die Gründe, warum er und seine Frau 1938 gezwungen waren, in die USA auszuwandern, werden allerdings nicht erwähnt.
Aignerstraße 15.
Hier lebte Maria Grünberg, geb. Haslberger
Geboren wurde sie am 18.Mai 1891 in Gars am Inn. Von Beruf war sie Garderobiere. Seit Oktober 1924 war sie verwitwet.Uge´
Wahrscheinlich ist sie anlässlich ihrer Heirat zum Judentum übergetreten. Ihr Tochter Elfriede Rosa Grünberg, die im August 1912 in München geboren wurde, war katholisch getauft.Im April 1933 trat Maria Grünberg wieder aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus. In der Münchner Einwohnerkartei steht in ihrem Eintrag “ohne” Religion. 1935 wurden sie und ihre Tochter ausgebürgert, was später jedoch wieder rückgängig gemacht wurde.
Die Witwe Grünberg hat die Shoah überlebt. Ihr Sterbedatum konnte nicht ermittelt werden.
Alpenrosenstraße 4b
Der Buchhalter Alfred Weil lebte von 1932 bis 1939 in der Alpenrosenstraße, mit seiner Nicht-jüdischen Frau Agnes und Tochter Hannelore.
Im Frühsommer 1939 hatte er sich vergeblich um Emigration in die USA oder nach Kuba bemüht.
Ab 1941 arbeitete er als Angestellter im „Münchner Verkehrsbüro“, einem Reisebüro, das sich mit Emigration befasste. Hier wurde er Opfer einer Denunziation:
Es kam zu einer Anzeige der Konkurrenz, weil das Reisebüro angeblich keine Konzession dafür besaß, ausländische Schiffslinien buchen zu dürfen. Alfred Weil habe in einem Werbeschreiben das Versprechen abgegeben, die Visabeschaffung im amerikanischen Konsulat beschleunigen zu können.
Ab dem 07.April 1943 befand er sich in Haft wegen “Verbreitung von unwahren Gerüchten”. Ein Staatsanwalt hatte ein Privatgespräch mitangehört, in dem Alfred Weil den natürlichen Tod des Reichbahndirektionspräsidenten Otto Gümbel bezweifelte, und er hatte diesen Gesprächsinhalt an die Gestapo gemeldet. Daraufhin wurde Alfred Weil zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis und zur Übernahme der Gerichtskosten verurteilt. In der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 1943 nahm er sich im Gefängnis Neudeck in München das Leben, indem er sich erhängte.
Schyrenstraße 14
Sehr viel wissen wir nicht über Karoline und Max Grossmann.
Auch ihre Ehe galt als Misch-Ehe, denn Karoline war Nicht-Jüdin. Das Paar lebte seit 1934 in der Schyrenstraße 14. Der Prokurist war 1905 aus Posen nach München gezogen. Seine erste Frau war gestorben. Mit ihr hatte er eine Tochter, Johanna. Vier Jahre später heiratete er Karoline Dietz. Sie starb 1940 in München.
Er selbst wurde am 13.März 1943 aus München nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

